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Malaysia

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Die meisten Malaysia-Besucher landen auf dem 1998 eröffneten Kuala Lumpur International Airport auf einem der modernsten Flughäfen der Welt. Dann fahren sie im Taxi auf der Schnellstraße nach Kuala Lumpur und durch den Stoßverkehr an mächtigen Repräsentationsbauten, Wolkenkratzern und Baustellen vorbei. Tigerstaat in der Krise? Die Boomtown läßt sich auf dem ersten Blick nichts anmerken. Malaysia will sich bis zum Jahr 2020 zu einer Industrienation entwickeln. Die Umsetzung dieses Ziels erscheint nicht mehr so selbstverständlich wie vor der Krise, doch die Entwicklung des Schwellenlandes bleibt in Gang: Städte und Straßen werden ausgebaut, Wälder für Plantagen und Stauseen gerodet, gesellschaftliche Strukturen verändert.

Geografisch ist das Land zweigeteilt: Westmalaysia liegt als 750 km lange Halbinsel zwischen Thailand und Singapur. Ostmalaysia besteht aus den beiden Bundesstaaten Sarawak und Sabah auf der Insel Borneo. In Kuala Lumpur, der strebsamen Hauptstadt Malaysias an der Westküste der Halbinsel, prallen die verschiedenen Aspekte des multikulturellen Landes in faszinierender Weise aufeinander. Futuristische Wolkenkratzer ragen neben geschichtsträchtigen Bauten gen Himmel, man wandelt zwischen Tradition und Moderne, durch indische, chinesische und malaiische Stadtteile-ein Kaleidoskop voller Gerüche, Farben, Menschen und Waren. Auch in der Küche macht sich der Kulturenmix bemerkbar. Ob malaiische Reistafel, chinesische Ente, indisches Curry oder Steak vom Grill, die Auswahl an Speisen lässt das Wasser im Mund zusammenfließen.

An der Westküste lohnen auch Städte wie George Town und Melaka einen Besuch, denn diese Perlen des Orients haben den Charme der Gründerjahre bewahrt. Sie stehen noch heute stark unter dem Einfluss chinesischer Immigranten. Chinesische Pioniere verhalfen Westmalaysia während des 19. Jhs. durch den Abbau von Zinn zu einer ersten wirtschaftlichen Blüte; Malaysia förderte bis Mitte der 1980erJahre zwei Drittel des Weltbedarfs an Zinn.

Die Westküste der Halbinsel wurde am stärksten von fremden Kulturen berührt, weil sie an einem viel befahrenen Seeweg liegt: an der Straße von Melaka. Die Flotten arabischer und europäischer Seefahrer legten hier schon vor Jahrhunderten an und beeinflussten bzw. eroberten weite Teile der Halbinsel. Der Westen erinnert denn auch am stärksten an die westliche Welt mit seiner modernen Infrastruktur, den luxuriös gestalteten Einkaufszentren, den internationalen Fastfoodbuden und den westlichen Vergnügungsmöglichkeiten. Dahinter erhebt sich die zentrale Gebirgskette mit kühlen Feriengebieten wie Cameron Highlands und Fraser's Hill. Auf 1000 m Höhe wachsen Kastanienbäume und Eichen, Farnbäume und tropische Nadelhölzer in nebelreichen Wäldern.Über die sanft geschwungenen Hügelketten ziehen sich Teeplantagen, und es gedeihen die bei uns bekannten Gemüse und Salate. Seit ein paar Jahrzehnten führen Straßen von der stark besiedelten Westküste durch schwindende Wälder und vorrückende Palmöl- und Kautschukplantagen an die Ostküste.

Die schmale Ostküste ist malaiisch wie sonst nirgends; idyllisch anmutende Fischerorte und Kampong-Dörfer liegen hinter kilometerlangen Sandstränden. Die Erdölförderung vor der Küste lässt die Städte boomen, aber das Provinzielle ist ihnen geblieben; der Alltag der Fischer, der Krämer und Handwerker bestimmt immer noch das Bild dieser Orte. Auf den Märkten bilden Früchte und Gemüse zusammen mit den bunten Batikkleidern der Frauen eine einzigartige Farbpalette.

Entlang der Küste ist das Südchinesische Meer mit den Abfällen des Fortschritts belastet und nirgendwo mehr so klar wie das Wasser, das die vorgelagerten Inseln umspült. Die in ihrem Inneren noch mit Regenwald bewachsenen Eilande verführen zum Nichtstun, Baden oder Tauchen. Allerdings wird der Tourismus so stark gefördert, dass dabei die Idylle an vielen Orten verloren geht und die Rechte der Einheimischen häufig grob missachtet werden: So wurden beispielsweise auf der Insel Redang für den Ausbau zweier Luxushotels die Bewohner des einzigen Fischerdorfes einfach in das Innere der Insel umgesiedelt.

Ostmalaysia setzt sich aus den beiden Bundesstaaten Sarawak und Sabah im Norden der 640 km entfernten Insel Borneo zusammen. Zwischen den beiden jüngsten Bundesstaaten nistet das winzige Sultanat Brunei. Der muslimische Zwergstaat ist dank seiner Erdölvorkommen extrem reich. Kalimantan, der Süden der drittgrößten Insel der Welt, gehört zu Indonesien. Der tropische Regenwald, seineüppige Vegetation, die ungewohnten Geräusche und frischen Gerüche, die Tropfsteinhöhlen und Langhäuser der Einheimischen locken nach Borneo. Die meisten Nationalparks verfügenüber angenehme Unterkünfte und bieten geführte Wanderungen in die Wälder an. Wollen Sie dabei Wildtiere beobachten, brauchen Sie Zeit und Geduld: Der Regenwald ist kein Zoo. Die modernen Städte dienen vor allem als Ausgangspunkte für die Erkundung der Insel, wobei Kuching, die hübsche Kapitale Sarawaks, auch einen längeren Besuch lohnt.

Viele Wildtierarten Malaysias sind heute vom Aussterben bedroht: Im Westen gehören Tiger, Malaienbär, Mausreh, Tapir, Wildbüffel und Sumatra-Nashorn dazu, in Ostmalaysia sind Nashornvogel, Orang-Utan und Nasenaffe gefährdet. Die Nutzung der riesigen Regenwaldgebiete Borneos erregte vor ein paar Jahren internationales Aufsehen, als ursprünglich lebende Stämme wie die Penan die Zufahrtsstraßen der Holzfällercamps blockierten, um das Roden der Wälder zu stoppen. Die Penan sind eine kleine Gruppe von insgesamt mehreren hundert Stämmen sogenannter Proto-Malaien. Traditionellerweise leben diese Ureinwohner von Brandrodung oder vom Sammeln der Dschungelfrüchte und von der Jagd (früher mit dem Blasrohr, heute mit dem Gewehr). Christliche Missionare bekehrten in den letzten zweihundert Jahren viele dieser Animisten.

Zur Staatsreligion, dem Islam, bekennen sich vor allem Malaien, die knapp die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. Die Malaien sind eine aus dem malaiisch-indonesischen Raum stammende Volksgruppe, die sich politisch-wie die Ureinwohner, die chinesischen und indischen Staatsbürger-als Malaysier bezeichnen. Chinesen trieben schon im frühen Mittelalter Handel mit den Bewohnern des heutigen Malaysias, doch die meisten wanderten erst im 19. Jh. ein und brachten Taoismus, Konfuzianismus und Buddhismus ins Land. Inder sind, je nach Herkunft, Hinduisten oder Muslime. Die britischen Kolonialherren heuerten sie zu Hunderttausenden an: für die Arbeit in den Plantagen, im Straßenbau oder an den Eisenbahnlinien. Europäer leben heute nur noch vereinzelt in den Wirtschaftszentren des Landes, nachdem sie vom Beginn des 16. Jhs. an bis zur Unabhängigkeit 1957 die Geschicke des Landes wesentlich mitbestimmt hatten.

Politisch ist die Föderation Malaysia eine parlamentarische Wahlmonarchie mit 13 Bundesstaaten und den Bundesterritorien Kuala Lumpur und Labuan. Das Staatsoberhaupt ist einer von neun alle fünf Jahre neu gewählten Sultanen, der Oberhaus und Unterhaus präsidiert. An der Politspitze steht jedoch der Premierminister-seit 1981 Datuk Seri Mahathir Mohamad.

Die Wirtschaft beruht auf Ressourcen wie Erdöl, Erdgas und Zinn. Zum Teil als Fertigprodukte werden Kautschuk, Palmöl, Tropenholz, Pfeffer und Kakao exportiert. Die Industrie ist stark in der Herstellung von Elektronik und Textilien. Auch der Tourismus zählt zu den bedeutenden Devisenbringern. Seit der Unabhängigkeit legt die Regierung alle fünf Jahre einen Wirtschaftsplan vor, um Malaysia von einem Agrarstaat in eine Industrienation zu verwandeln. Gerade mal knapp ein Drittel der Bevölkerung ist noch in der Landwirtschaft tätig. Die Wirtschaft glänzte bis vor kurzem mit Wachstumsraten von bis zu acht Prozent jährlich, vermag sich jedoch der jüngsten Krise in Südostasien nicht zu entziehen: Ausländische Direktinvestitionen, industrielle Produktion und privater Konsum sind ins Stocken geraten. Die Regierung steht zwar weniger unter Druck als im benachbarten Indonesien, ist aber gefordert, wirtschaftliche und politische Fehlentwicklungen zu korrigieren, um längerfristig die Stabilität im Land zu wahren. In Folge der Wirtschaftskrise gab es in Kuala Lumpur einige Demonstrationen. Der Vizepremier und der Finanzminister mussten daraufhin ihren Hut nehmen. Die malaysische Regierung setzt jetzt wieder verstärkt auf eine staatlich kontrollierte Wirtschaft.

Die 22 Millionen Malaysier haben in gut vierzig Jahren Unabhängigkeit ein gemeinsames Nationalbewusstsein entwickelt und verstehen es, ihre mitunter extrem unterschiedlichen Kulturen einigermaßen unter einen Hut zu bringen. Abgesehen von den atemberaubenden Naturschönheiten und teilweise attraktiven Städten sind denn auch die Menschen in Malaysia die interessanteste Attraktion des Landes: Wie gehen die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen mit der raschen Modernisierung des Landes um? An der Westküste mag eine malaiische Studentin in bodenlangem Batikkleid und mit Kopftuch einmütig neben einer chinesischen Kommilitonin in aufreizendem Minirock hergehen-Toleranz und Flexibilität gehören hier zum Alltag. An der ländlichen Ostküste, wo die malaiische Bevölkerung noch vorwiegend unter sich ist, reagieren die Menschen unsicherer: Appelle an die Moral und den Islam häufen sich hier parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung. Radikale malen schon mal Werbeplakate, auf denen das weibliche Modell das Haar offen trägt, mit sexistischen Parolenüber. Auf Borneo, in Ostmalaysia, sind die Kontraste besonders markant zwischen denOffshore-Ölplattformen voller Hightech, den modernen Städten und den naturbezogenen Menschen der Regenwälder.

Wo immer man hinkommt, fühlt man sich mehr als Gast denn als Tourist - Selamat Datang Ke Malaysia - Willkommen in Malaysia - werden Fremde immer wieder von Einheimischen begrüßt. Auffallend im Vergleich zu anderen südostasiatischen Ländern ist das angenehm zurückhaltende Auftreten der Malaysier gegenüber Fremden -seien sie Händler, Sightseeing-Führer oder Taxifahrer. Aber sie alle zeigen durchaus Interesse, ein Geschäft zu machen, doch in einer Art und Weise, die weder aufdringlich noch anbiedernd wirkt. Die meisten Malaysier lassen sich gerne auf Gespräche mit Fremden ein, ohne ihre Weltanschauung zu propagieren-und in dieser Hinsicht sollte sich auch der westliche Besucher zurückhalten.

Nationalsprache ist Bahasa Melayu (malaiisch). Viele Malaysier sprechen aber auch Englisch und, je nach Abstammung, chinesische Dialekte wie Hakka und Hokkien, indische Sprachen wie Tamil, Hindi und Malayalam oder die einheimischen Sprachen der Ureinwohner. Wer Englisch spricht, kann Westmalaysia problemlos auf eigene Faust bereisen. Auch Ostmalaysia bietet eineüberraschend gute Infrastruktur. Wer die Nationalparks erkunden möchte, ist aber oft auf die Organisation einer Reiseagentur angewiesen. Man kann sich vor Ort an lokale Büros wenden; es mag aber auch Sinn machen, eine Reise durch Ostmalaysia schon zu Hause bei einer spezialisierten Agentur zu buchen.

   
   

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