Im Reich der wilden Tiere
Auf den Spuren von Löwen, Elefanten und Giraffen
Ob in einem der vielen Nationalparks, den Nature Reserves oder in den privaten Game Reserves - die Tierbeobachtung in freier Wildbahn gehört zu den Highlights jedes Südafrika-Besuchs. Ist man mit einem erfahrenen Ranger unterwegs, bekommt man eigentlich immer etwas Aufregendes zu sehen - oder zu hören. Spätestens abends am Lagerfeuer oder im Zelt.
Foto: South African Tourism
Duane arbeitet als Ranger in der Kwa-Mbili Game Lodge. Dort ist er dafür verantwortlich, dass die Safarigäste die Tiere sehen, derentwegen sie gekommen sind: Elefanten, Löwen, Nashörner, Wasserbüffel und Leoparden. Aber obwohl Duane die "Big Five" liebt, und zwar heiß und innig, möchte er auch auf Savannenbewohner aufmerksam machen, die nicht so leicht zu finden sind. Die Großen Fünf liefert er ruck, zuck! vor die Kameralinsen ? keine fünfzehn Minuten hat es heute morgen gedauert. Dann hatte der emsige Ranger die Wasserbüffel aufgestöbert, und die Löwen ließen auch nicht lange auf sich warten.
Aber nein, Duane will mehr. Deshalb hält er alle zehn Minuten den Landrover an. Dann lässt er seine Gäste eine Reihe bilden und geht mit ihnen ein paar Meter neben einer Giraffe spazieren. Oder er stochert in einem Termitenhügel herum. Oder er verdeutlicht Nahrungsketten, indem er eine Heuschrecke auf einen Ameisenbau wirft und später eine voll gefressene Ameise in den Fangtrichter eines Ameisenlöwen.
Enthusiasmus in der Wildbahn
Die Kwa-Mbili Game Lodge gehört zu einer jener Game Reserves, die auf privatem Grund am westlichen Rand des Kruger Nationalparks entstanden sind. Zwischen diesen Privatparks und dem großen Krüger hindern keine Zäune den Zug der Tiere. Deshalb ist es eine Überlegung wert, im "Greater Kruger National Park" - so heißt dieses Schutzgebiet von der Größe Großbritanniens offiziell - zu übernachten, selbst einzukaufen, zu kochen und auf die Pirsch zu fahren oder in den privaten Reserves alles inklusive zu bekommen.
Sämtliche Mahlzeiten und Safaris sind im Preis enthalten - in den geradezu bescheidenen 130 Euro am Tag, die die Kwa-Mbili Game Lodge verlangt. Die Ulusaba Lodge verlangt für die selbe Zeit 1.300 Euro. Man muss nur wissen, dass man, wenn man mit so enthusiastischen Rangern wie Duane unterwegs ist, ohnehin mehr Zeit im 4-WD verbringt als im Bett. Und enthusiastisch sind sie alle.
Wenn die Sonne im Busch versinkt
Das Safari-Erlebnis muss ganzheitlich erlebt werden. Alle Sinne sind gefordert. Besonders deutlich wird das beim Sundowner mitten im Busch. Vor fünf Minuten herrschte hier noch tiefer Frieden, aber kaum ist die Sonne untergegangen, geht es los:
Offensichtlich haben die Frösche und Zikaden einen eingebauten Regler, der bei Einbruch der Dunkelheit automatisch auf volle Lautstärke schaltet. Derart massiv kommt die akustische Dröhnung, dass sich der Safari-Neuling so seine Gedanken macht: Wasserloch (Trinken da nicht nachts die Löwen?), Dunkelheit (Gehen Leoparden nicht jetzt auf Jagd? Was sind das für leuchtende Punkte im Gras?), unbekannte Geräusche (Da hat was gezischt! Da vorne!).
Und so übertrieben sind die Einbildungen gar nicht. Denn wenn sich die unterschiedlichen Safari-Teams abends in der Lodge wieder versammeln, weiß man in der Regel über etliche Begegnungen der Krüger-Art zu berichten. Hauptakteure diesmal waren unter anderem: Ein Leopard mit gerissener Gazelle. Ein Nilpferd am Ersatzreifen. Eine Herde Elefanten, die links und rechts am Auto vorbeitrompeteten und ein (hungriger?) Löwe an der Seitentür (wobei es erwähnenswert ist, dass die Geländewagen "oben ohne" sind, sprich: ohne schützendes Dach).
Das sind also die üblichen Tischgespräche in so einer Lodge. Sie verstummen erst, wenn jeder in Richtung Bungalow geht, um dort wahlweise von nicht mehr ganz frischen Socken oder Rotkopf-Godzillas zu träumen. Aber nur ganz kurz. Im Morgengrauen gibt es schließlich schon die nächste Safari.