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Algarve

Entdecker gesucht!

Blauer Himmel, klares Meer, bunte Boote, Grotten zum Träumen, altmodische Mauleselkarren und langsamer tickende Uhren - so oder ähnlich künden die Ferienprospekte von Europas schönster Küste, der Algarve. Trotz der sich von Jahr zu Jahr weiter ausbreitenden Feriensiedlungen und einer seit vielen Jahren agierenden Tourismusindustrie, die manches Idyll zerstört hat und mehr Landschaftsveränderung bewirkt als alle Naturkatastrophen der vergangenen Jahrhunderte, hat die Algarve ihren Charme noch nicht verloren. Sie versteckt ihre Anmut jetzt nur mehr im Inland, die vor 20 Jahren noch überall zu sehen war.

Blauer Himmel, klares Meer, bunte Boote, Grotten zum Träumen, altmodische Mauleselkarren und langsamer tickende Uhren - so oder ähnlich künden die Ferienprospekte von Europas schönster Küste, der Algarve. Trotz der sich von Jahr zu Jahr weiter ausbreitenden Feriensiedlungen und einer seit vielen Jahren agierenden Tourismusindustrie, die manches Idyll zerstört hat und mehr Landschaftsveränderung bewirkt als alle Naturkatastrophen der vergangenen Jahrhunderte, hat die Algarve ihren Charme noch nicht verloren. Sie versteckt ihre Anmut jetzt nur mehr im Inland, die vor 20 Jahren noch überall zu sehen war.
Ich kenne kein freundlicheres Volk in Europa als die Algarvios. Sie haben unendliche Geduld mit Fremden, mit anderen Sitten und bleiben selbst dann, wenn sie sie schockierend finden, tolerant. Neben der Toleranz steht allerdings der Mut, den sie gern in ihrer offensiven Fahrweise auf den Straßen demonstrieren. Der portugiesische Ministerpräsident António Guterres möchte die Verkehrssicherheit in Portugal verbessern. Er erklärte, dass auf portugiesischen Straßen täglich mehr Menschen sterben als in den Kolonialkriegen. Einer der Unfallschwerpunkte ist die N 125, die Spanien mit dem südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes verbindet. Diese Straße hat ein durchgehendes Tempolimit, und es finden verstärkt Polizeikontrollen statt.

Mit Mut und Gottvertrauen entdeckten Portugiesen vor Jahrhunderten neue Kontinente, obgleich sie meinten, die Welt sei zu Ende am südwestlichen Teil der Iberischen Halbinsel. Finis terrae nannten sie diese windige Ecke, dennoch rüsteten sie ihre Karavellen und stachen von Lagos aus ins unbekannte Meer. Am Cabo de São Vicente, dem südwestlichsten Punkt Portugals, wo sich tosende Wellen jäh an schroffen Felslandschaften brechen, weitet sich der Blick ins Unendliche, dorthin, wo Himmel und Wasser eins sind. Hier ist Europa zu Ende.
Doch jeder sieht das, was er sehen möchte: für die Araber, die 711 n. Chr. mit ihren Heerscharen ins Land einfielen, war der Süden Portugals nur der Westen, Al Gharb. Sie brachten eine neue Religion mit und lebten dennoch in friedlicher Koexistenz mit Christen und Juden. Diese arabische Invasion formte das Gesicht Portugals. In mehreren Hundert Jahren schufen die Mauren hier einen Paradiesgarten voller Früchte und duftender Blüten. Mandeln, Oliven, Feigen, Johannisbrot brachten sie aus Afrika mit, nützliche Bäume, die wenig Wasser brauchen, denn das war knapp. Sie gruben Brunnen und bauten Bewässerungsanlagen; dadurch gediehen auch Zitrusfrüchte: Mandarinen, Apfelsinen, Zitronen. Selbst Reisfelder konnten überflutet werden und brachten guten Ertrag. 300 Jahre länger als das übrige Portugal blieb der Süden unter der weisen Herrschaft der Araber.

Algarve, Faro Estoi

Im 13. Jh. gelang es König João I., auch den letzten arabischen Statthalter zu vertreiben. Jetzt gab es in Portugal nur noch einen König, der aber nannte sich "König von Portugal und Algarve", denn zu lange hatte der Süden nicht zum eigentlichen Land gehört. Auch heute noch rümpfen eingefleischte Lisboetas, die "feinen Leute aus Lissabon", über den Algarvio die Nase, weil er ihrer Meinung nach weder richtig Portugiesisch spreche noch sonst eine Spur von Kultur habe.
Aber zum Urlaub reisen sie natürlich an, so wie Tausende aus aller Welt. Es hat sich herumgesprochen: In der Algarve scheint die Sonne länger und wärmer, Regen gibt es wenig, das Meer ist - fast überall - klar und sauber, und am Strand, weiß und feinsandig, weht selbst an den Hundstagen im August eine frische Brise.
Hier fängt Europa an, sagen selbstbewusst die Algarvios. Dieser Küstenstreifen ist zu einem Wirtschaftsfaktor herangewachsen durch seine hoch entwickelte Tourismusindustrie, die gleichermaßen Highlife und Stille, kalifornisches Flair und unberührte Natur anbietet. Portugal schaut nicht mehr über den Atlantik in unbestimmte Fernen. Schon gar nicht mehr mit der Melancholie seines Dichters Luís de Camões, der für alle sang: "Zerrinnen lass' ich die gequälte Zeit und streue meine Sehnsucht ohn Ende am Meeresufer hin in Einsamkeit." Portugal hat mit dem Träumen aufgehört, es hat den Anschluss an Europa gefunden, dessen Tor es ist.

Doch trotz dieser Ankunft in der Moderne: Eile scheint das portugiesische Zeitmaß auch heute noch nicht so recht zu kennen - ausgenommen die Sommertage an den Touristenstränden. Dort, wo sich Menschen aller Nationen mit endloser Geduld der strahlenden Sonne aussetzen, sind Ruhe und Gelassenheit verschwunden. Handys gehören nun auch in Portugal ins Strandgepäck.
Einheimische kommen in Gruppen oder als Familien an den Strand, niemals früh, denn es ist Ferienzeit. Mittags, wenn die Sonne hoch am Himmel steht, wandern sie in Kolonne nach Hause, um Siesta zu halten. Erst nach 16 Uhr erscheinen sie wieder am Meer und haben immer - erfahren, wie sie sind - Sonnenschirm und -hüte dabei. An abgelegeneren Stränden bringen sie oft große Sonnensegel mit, unter denen gepicknickt oder gegrillt wird. Während die Mütter das Mahl vorbereiten, spielen die Väter mit den Kleinen. Ehrensache aber, dass die Männer nach dem Essen abwaschen.

Unternehmen Sie auch einmal einen Ausflug auf die Inseln, die der Küste vorgelagert sind. Schon die Anreise mit dem Boot macht Spaß. Am wenigsten bekannt ist die stille Ilha Deserta, die man von Faro aus ansteuert. Die Ilha de Culatra, deren Fähre von Olhão oder Faro abfährt, können Sie auch auf einer Wanderung durchs Watt erreichen. Oder Sie setzen von Tavira auf die lang gestreckte Badeinsel Ilha de Tavira über, die auch von einer Bimmelbahn über den Damm bei Pedras de'l Rei angefahren wird.
Mehr und mehr wird Portugals Süden auch ein Sportparadies. Vor allem Golfer schätzen die vielen, variablen Plätze, die das ganze Jahr über bespielbar sind. Nicht nur aus dem sonnenarmen Nordeuropa reisen sie an, viele kommen sogar aus Nordamerika. Große Turniere werden hier regelmäßig ausgetragen. Ein feiner Münchner Club, der sich aus bekannten Größen der Sportwelt und des Showbusiness zusammensetzt, spielt traditionell in der Algarve, um durch Start- und Eintrittsgelder finanzielle Mittel für Hilfsaktionen aufzutreiben. Er kombiniert die Freude am Golfspielen mit der Prominenz seiner Mitglieder, um Spenden zu sammeln, die individuell und kontrolliert vergeben werden.

Algarve: Golfplatz im Herbst

Jahr für Jahr entstehen neue Golfplatzprojekte, weil die Zahl der Golfer immer noch ansteigt. Für jeden Landschaftsgeschmack und Schwierigkeitsgrad ist gesorgt. Da gibt es den wasserreichen Penina - Platz, den duftenden Platz unter Pinien in Vilamoura, die eleganten Kombinationen in Quinta do Lago oder den Charme des ländlichen Palmares - Platzes. Bisher ziehen sich fast alle Golfcourses an der südlichen Küste entlang, nun kommen neue Plätze im Landesinneren hinzu, zum Beispiel östlich in Castro Marim oder in der Nähe Taviras. Elf neue Plätze sind in Arbeit oder Planung.
Die Algarve ist nicht nur ein Paradies für erfahrene Golfsportler: Wer dieses Spiel, das in erster Linie eine Herausforderung des eigenen Geschicks ist, lernen will, hat in vielen Schulen die Möglichkeit dazu.
Umweltbewusste Menschen fragen sich, woher denn das viele Wasser kommt, das zur Bewässerung der riesigen Rasenflächen nötig ist, die dieser Sport in Beschlag nimmt. Auch dabei geht man neue Wege. Ferienresorts - z. B. in Quinta do Lago - bereiten das Brauchwasser auf, um es recycelt wieder zu benutzen. Entsalzungsanlagen für Meerwasser sind im Test. Und für die grüne Lunge der Algarve sind diese "Parkanlagen" bestimmt besser als neue Apartmentblöcke und Hotels oder Autobahnen.
Gehen Sie in der Algarve auch auf kulinarische Entdeckungsreise! Einige Meeresfrüchte werden Sie kaum kennen: percebes (Entenmuscheln) zum Beispiel. Diese Muscheln, die eigentlich gar keine sind, sehen aus wie kleine Hufe oder Klauen. Sie gelten als Delikatesse und sind ein wenig mühsam zu essen. Sie werden gleich hinter dem "Huf" mit den Fingern geknackt und enthalten ein dünnes, schlauchartiges Etwas. Es schmeckt intensiv nach Meer. Die percebes gehören zu den Krebsen und siedeln sich im Meer an Felsen an. Entsprechend mühsam und beschwerlich ist ihre Ernte, was ihren stattlichen Preis erklärt.

Natürlich gibt es auch ein cooles (oder heißes) Nachtleben in der Algarve. Sie können Ihr Geld im Kasino loswerden oder bis zum Umfallen in einer der vielen Diskos tanzen. Albufeira, die Hauptstadt des nächtlichen Treibens, wogt und schwoft bis in den frühen Morgen in der Altstadt.
Sollten Sie indes das Gegenteil suchen, nämlich Stille und Besinnung in Disziplinen wie Yoga, Qi Gong, Tai - Chi oder Meditation, sind Sie auch dafür in der Algarve richtig. Mehrere Center bei Lagos, Loulé und Tavira bieten die Möglichkeit zum Üben.
Sie sehen, es ist schwer, sich hier im Urlaub zu langweilen: Portugals südlichste Provinz ist seine eigenwilligste. Die Strände zeigen leuchtende Felsformationen, bizarre Skulpturen, vom Meer in Form gewaschen. Es gibt Grotten, in denen Märchenphantasien lebendig werden, und Gebirge, die einen umfassenden Panoramablick bieten. Subtropisches Klima, also heiße, trockene Sommer und im Winter tropische Wolkenbrüche oder ein sanfter, lauer Landregen, lässt eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt gedeihen. Auf 835 km grenzt das Land ans Meer, nur 1.215 km lang ist die Grenze zu Spanien.
Bergketten halten die Nordwinde zurück. Im Osten und Süden ist der Atlantik wärmer als an der Westküste, wo Baden gefährlich sein kann, weil das Meer dort rauer und unberechenbarer ist. Aber für geübte Windsurfer und Wellenreiter ist die westliche Atlantikküste ein Paradies. Hier tobt das ganze Jahr über die Brandung, deren Wellen sich zig Kilometer auf dem Meer aufbauen, bevor sie sich surftauglich brechen.

Westlich von Sagres weht ziemlich beständig die nortada, ein starker Nordwind. Er treibt die Windsurfer übers Wasser, weil er vom Land kommt. Im Meer schützt eine Felsengruppe den Strand. Hier gibt es ein Wassersportzentrum, das ein wachsames Auge auf seine Surfer hat. Anfänger üben am Alvor - Strand in der Nähe Portimãos. Hier weht morgens ein leichter, auflandiger Wind, der am Nachmittag dreht und so anschwillt, dass er Sonnenanbeter vertreibt, weil er feinen Sand mitbringt. Das Gebiet zwischen Tavira und Monte Gordo in der Ostalgarve gilt ebenfalls als gutes Gebiet für Surfanfänger. Dort weht es sanft.
Die Algarve gliedert sich in die Küstenzone, das Barrocal - Zwischengebirge mit Kalksteinbildungen - und das eigentliche Gebirge. Pinienwälder säumen die Strände. Walnüsse, Korkeichen, Zitrusfrüchte und Avocados wachsen im inneren Teil. Wilder Oleander blüht an Bächen, in Gärten leuchten Bougainvilleen, im Winter blühen baumhohe Weihnachtssterne. Platanen und Ginster begrenzen Straßen, Tamarisken und Palmen wiegen sich im Abendwind. Oregano, Rosmarin, Minze, Salbei und Lavendel strömen einen unverwechselbaren Geruch aus. Orchideen blühen zu Hunderten im Frühling auf den Wiesen, und wilde Päonien (Pfingstrosen) bilden tiefrote Farbkleckse unter Johannisbrotbäumen. Schwertlilien begrüßen das Jahr schon im Februar, zuerst die weißen, dann die violetten.
Der Mai ist mit seiner Blütenpracht und den verschiedenen Düften am intensivsten. Der Sommer lässt die Pracht mehr und mehr eintrocknen und begräbt die Landschaft unter einer braunen Staubschicht. Dann ist die Algarve ein Teil Afrikas - mit flammenden Sonnenuntergängen und einem faszinierenden Farbspiel am Abend. Wenn dann im Oktober endlich der lang ersehnte Regen prasselt, wäscht er den lastenden Staub des Sommers ab.

Im östlichen Teil leben Leguane und Chamäleons, man findet sie gelegentlich als Fliegenfänger im Restaurant. Falken, Bussarde, Adler ziehen Kreise im klaren Blau, Käuzchen und Uhus rufen, wenn die Nacht kommt. Zikaden zirpen ihren Dauerton, der zum Sommer gehört. Auf den Reisfeldern und in den Flussniederungen staksen Störche und Reiher. Frösche und Wasserschildkröten leiden im Sommer, weil viele Flüsse und Teiche vollständig austrocknen. Und ganz traurig ist es um die flinken, harmlosen Geckos bestellt, weil sie in Portugal als Unglücksboten gelten. Obgleich sie exzellente Fliegen- und Mückenfänger sind, werden sie getötet.
Die Algarve bietet auf kleinem Raum sehr viel Abwechslung, man kann sich alles in Ruhe anschauen und hat trotzdem immer noch genug Zeit, um sich ausgiebig dem Dolcefarniente zu widmen.

   
   

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Server: AvigoProd02.site   Session: B94134A44F41D82D1FC85B48A0531389.prod02   Release: 11.23.01.0   vom: 28.12.11