Warenkorb

Leer

Interview: Reisen in islamische Länder!

Christoph Antweiler, Professor für Ethnologie, klärt auf

Zur Person: Christoph Antweiler stammt aus Moers am Niederrhein. In Köln studierte er Geologie-Paläontologie und promovierte nach seinem Geologie-Diplom im Fach Völkerkunde. 1991 betrieb Antweiler ein Jahr lang stationäre Feldforschung im weltweit größten islamischen Land: Indonesien. Seit 1996 arbeitet er als Professor für Ethnologie an der Universität Trier. Seine Schwerpunkte sind Stadtethnologie und Entwicklungsethnologie.

Herr Professor Antweiler, 'Urlaubswochen sind die schönsten Wochen des Jahres', heißt es. Spielen bei der Auswahl des Ferienlandes eigentlich landestypische, kulturelle Gründe eine wichtige Rolle?

Antweiler: Es ist tatsächlich so, dass Urlaubswochen sehr wichtig sind. Man sieht das schon daran, dass viele Leute fast das ganze Jahr über ihren Urlaub reden und darüber nachdenken. Touristen sind heute sehr unterschiedlich: Es gibt natürlich solche, die ganz bestimmte Länder oder Regionen bereisen. Wiederum andere Touristen suchen ganz bestimmte Eigenschaften, die der Ferienort aufweisen muss: z.B. einen schönen Strand oder Tierreservate in der Nähe. In diesen Fällen ist es eher nebensächlich, in welchem Land der Ferienort ist. Drittens gibt es viele Leute, die sich kurzfristig für einen Urlaub entscheiden und nur eine sehr allgemeine Vorstellung von ihrer Reise haben. Wenn die dann erfüllt ist, und der Preis stimmt, wird das Ziel gewählt.

Wie sieht es in islamischen Ländern eigentlich mit dem Sicherheitsaspekt aus?

Antweiler: Es wäre übertrieben, islamische Länder für unsicher zu halten. Wir müssen erstens nach den einzelnen Ländern und Regionen unterscheiden; des weiteren, ob das Reiseziel eine Stadt oder ein ländliches Gebiet ist. Reisende sollten sich eher nach der aktuellen Lage in der jeweiligen Region richten - und nicht nach Ereignissen, die schon Jahre her sind. Man sollte sich höchstens dann überlegen, eine bestimmte Stadt zu meiden, wenn sich dort in den letzten Wochen die Ereignisse überschlagen haben oder vielleicht gerade eine wichtige politische Konferenz oder Demonstration angesetzt ist.

Ist es eine Auswirkung des Tourismus, dass es in manchen Ländern, wie etwa Tunesien, auch Moslems gibt, die nicht streng nach den Regeln des Koran leben und sogar Alkohol trinken?

Antweiler: Nein, das sind eher die jeweiligen Wirkungen der jüngeren Geschichte bzw. der unterschiedlich starken Modernisierung in den Ländern. Die Wirkungen des Tourismus können zwar oft weitreichend sein, sind aber nicht besonders auf die Ausrichtung des Islam bezogen. Dies ist höchstens in einzelnen Fällen auf lokaler Ebene zu beobachten.

Was genau bedeutet die Forderung 'Reisende sollten die Kultur ihres Ferienlandes respektieren'? Inwieweit gibt es da Regeln?

Antweiler: Bei einem 2-Wochen-Urlaub wäre es zu viel verlangt, sich tief in die Kultur einzuarbeiten, um diese von innen heraus zu verstehen. Reisende sollten vor allem die öffentlichen und sozialen Umgangsregeln in dem Land kennen und beachten: z.B. das Betreten einer Moschee, das Handeln auf dem Markt oder den Umgang zwischen den Geschlechtern. Mit speziellen Reisehandbüchern zur Kultur eines Landes kann der Leser sich darauf gut vorbereiten, mit durchschnittlichen Reiseführern eher nicht.

Was sind kurzfristige bzw. langfristige Folgen, wenn die Umgangsregeln nicht eingehalten werden?

Antweiler: Es kann vor allem passieren, dass der Urlauber sein angestrebtes Ziel einfach nicht erreicht. Beispiele: Man möchte etwas kaufen und bekommt es nicht - oder nur zu einem höheren Preis. Schade wäre auch, wenn Reisende wegen fehlender Kenntnis der lokalen Spielregeln von Begegnungen ausgeschlossen werden, aus denen sie etwas lernen könnten. Im allerschlimmsten - seltenen - Fall kann ein Besucher auch des Landes verwiesen werden. Langfristig hat die Nichtbeachtung von Umgangsregeln eine starke Auswirkung auf das Image der Touristen. 

Welches Bild haben denn die Menschen in islamischen Ländern von westlichen Touristen?

Antweiler: Stark verbreitet ist das Bild, das alle westlichen Menschen reich seien. Zudem gelten sie als sehr locker und freizügig - ihnen wird eine 'moralische Laxheit' attestiert. Ansonsten gibt es sehr unterschiedliche Haltungen über westliche Touristen, vor allem je nach den Erfahrungen, die in einem Land oder einer Region gemacht wurden.

Nicht wenige Urlauber irritiert in islamischen Ländern die Hartnäckigkeit vieler Händler. Was sollte man z.B. auf dem Basar beachten?

Antweiler: Wichtig ist, sich klar zu machen, dass es beim Handeln um eine soziale Beziehung geht, nicht nur um eine wirtschaftliche Austauschbeziehung. Sowohl Käufer als auch Verkäufer wollen zwar einen möglichst guten Preis erzielen, jedoch sollten hinterher beide zufrieden sein und nicht ihre Ehre verlieren. Die Verkäufer wissen, dass der Tourist meistens mehr Geld hat als sie. Es wird als unangenehm angesehen, wenn der Kunde das Produkt 'schlecht redet'. Das sollte man niemals tun, es ist nicht überzeugend! Gut ist ein Satz wie 'Das ist ein gutes Produkt, handwerklich gute Qualität - aber es ist für mich zu teuer'. Auch beim Nachfragen sollte man freundlich sein. Das Allerwichtigste beim Handeln ist für den Kunden, genug Zeit mitzubringen.

Wäre es für westliche Reisende angebracht, in islamischen Ländern mit Einheimischen auch über Religion und Politik zu diskutieren?

Antweiler: Im Allgemeinen würde ich einem Gespräch durchaus zuraten. Man sollte sich dabei interessiert zeigen, aber vorwiegend zuhören - als Lernender anstatt als Bewertender. Es ist nicht sinnvoll zu fragen 'Finden auch Sie die politischen Verhältnisse in Ihrem Land schlecht?' Selbst wenn der Befragte die Regierung ablehnt, würde er in einem Dilemma stecken, denn er ist schließlich auch stolz auf sein Land.

Ist es häufig der Fall, dass Einheimische ihre Kultur abgewandelt präsentieren, um vom Tourismus stärker profitieren zu können?

Antweiler: Das ist schwer zu sagen. Ich glaube aber, dass die meisten Einheimischen ihre Kultur nicht verleugnen, auch da sie stolz auf ihre eigene Kultur sind. Außerdem kommen die meisten Touristen gerade aus dem Grund, dass sie die Kultur eines Landes kennen lernen wollen. Das wissen die meisten Bereisten auch, deswegen wäre es sogar strategisch ungünstig, die eigene Kultur zu verleugnen. Allerdings betonen sie bestimmte Kulturaspekte unterschiedlich stark. Moslems verweisen viel eher auf die schönen Moscheen, die Jahrhunderte alte Kultur und die Wissenschaftsentwicklung, als dass sie die ungleiche Behandlung von Männern und Frauen thematisieren.

Herr Professor Antweiler, zum Ende unseres Gesprächs eine persönliche Frage: Wohin verreisen Sie am liebsten - und welche Erfahrungen haben Sie mit islamischen Ländern gemacht?

Antweiler: Ich bin ein großer Fan von Indonesien, wo ich mit meiner Familie auch mal ein Jahr gelebt habe - bei einer islamischen Familie. Dorthin fahre ich jedes Jahr wieder, um unsere Freunde zu besuchen. Ich bin dort aber durchaus auch touristisch unterwegs. Auch sonst bereise ich gern Südostasien. Ich habe mit den Menschen in diesen Ländern sehr gute Erfahrungen gemacht! Es ist z.B. in Indonesien, dem größten islamischen Land der Welt, vieles anders, als man es von westlichen Presseberichten über 'den' Islam kennt. Bei uns beherrschen viele Stereotypen das Islam-Bild, das oft sehr wenig mit der Realität zu tun hat.

Vielen Dank für dieses Gespräch!

Interview: Freier Mitarbeiter Colin Engerer

   
   

Ob Reisebausteine oder easy2mix - Sie haben die Wahl:

Mit easy2mix buchen Sie Ihren Traumurlaub inkl. Anreise, Hotel und Zusatzleistungen direkt als Paket. easy2mix bietet Ihnen 3 Paketoptionen, alternativ bieten wir Ihnen über die "Express Suche - Reisebausteine" einzelne Reiseleistungen ebenfalls in gewohnter DERTOUR Qualität.

Reiseführer > Naher Osten > Vereinigte Arabische Emirate > Dubai

Server: AvigoProd02.site   Session: 6FA2796E89FC88D844184403C314E8CD.prod02   Release: 11.22.00.0   vom: 10.08.10