Venezuela
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Venezuela
Sie landen nach zehn Stunden Flug auf der Insel Margarita oder in Barcelona, der Hotelbus steht bereit, eine frische Brise weht vom Meer herüber. Ein paar Minuten später serviert man Ihnen den Willkommenstrunk, eine piña colada vielleicht. Die Koffer sind auch da. So kann der verdiente Urlaub in Venezuela beginnen - und enden, ohne dass Sie mehr als den Strand, den Pool und die Hotelbar gesehen haben. Dazu muss man nicht unbedingt über den Atlantik fliegen. Doch der Tourismus ist ein Weltmarkt, und Venezuela sucht da seinen Anteil unter anderem durch günstige Angebote und Allinclusive - Pauschalen zu erobern. Also, warum nicht Venezuela buchen?
Oder Sie kommen auf dem internationalen Airport von Caracas an. Simón Bolívar heißt er (wie zigtausend Plätze und Straßen) - aber er liegt keineswegs in Caracas, sondern in Maiquetía an der Küste. Die Fahrt vom Flughafen bis ins Zentrum der 6 - Millionen - Metropole und Hauptstadt des Landes kann, je nach Verkehrslage, eine bis drei Stunden dauern. In dieser Zeit bekommen Sie einen kleinen Vorgeschmack von Venezuela.
Die Straßenkreuzer, die von Maiquetía nach Caracas von null auf tausend Meter Höhe hinaufpreschen, verbreiten einen Nebel, der längst alle Bäume am Rand der sechsspurigen Autobahn verkrüppelt hat. Vergasereinstellung hin, Vergasereinstellung her: Benzin ist in Venezuela schon immer billiger als Trinkwasser gewesen - kaum mehr als 10 Cent kostet umgerechnet der Liter.
Am Erdöl hängt, zum Erdöl drängt in diesem Land doch alles: Venezuela träumt immer noch davon, ein Kuwait der Karibik zu sein und so zu leben wie der »große Bruder« im Norden. Die Petrodollars haben das Land verdorben, meinen die Kulturkritiker. Die Ölmilliarden haben das Land zum reichsten Südamerikas gemacht - darauf verweisen die Ökonomen. Doch wenn der Erdölpreis, wie Mitte der Neunzigerjahre, in den Keller sinkt - was dann? Wie auch immer: Die Wirklichkeit ist weit verwirrender, als sie sich in solchen holzschnittartigen Urteilen niederschlägt.
Seit die goldenen Zeiten des Erdölbooms vorbei sind, trauern die Venezolaner. Es ist zwar schon bald 20 Jahre her, dass - wie die Reichen sagen - sogar die Putzfrauen die Boutiquen von Miami abräumten, aber seitdem geht es nur noch bergab. Nach dem unschönen Abgang des zweimaligen Präsidenten und einstigen Hoffnungsträgers Carlos Andrés Pérez 1993 - er hatte die Staatskasse um 16 Millionen Dollar erleichtert - setzte die Nation auf den damals 79 Jahre alten Rafael Caldera als Präsidenten. Doch Caldera scheiterte kläglich. Der Denkzettel bei der Wahl 1998 war gewaltig. Die traditionellen politischen Parteien verschwanden in der Versenkung. Es begann der Aufstieg des Oberstleutnants Hugo Chávez Frías, der 1992 mit links gerichteten Militärs geputscht hatte, nach vier Jahren Haft entlassen wurde und sich kometenschnell zum Hoffnungsträger vor allem der ärmeren Teile der Bevölkerung aufschwang.
Hugo Chávez will mit Korruption und Misswirtschaft gründlich aufräumen. Von einer neuen, 1999 einberufenen verfassunggebenden Versammlung hat sich der Militärpräsident mit umfangreichen Vollmachten ausstatten lassen. Welche politischen und ökonomischen Reformen auf Venezuela zukommen, ist nicht abzuschätzen.
Ob Dirigismus, ob Freihandel, die Frage bleibt offen: Wie bringt man eine vom Ölreichtum verwöhnte Gesellschaft zum Sparen? Und: Wie bringt man die korrupte politische Klasse Venezuelas dazu, Sinn für soziale Gerechtigkeit und eine eigene Arbeitsethik zu entwickeln? »Die Venezolaner suchen nach schnellen Lösungen, die nichts kosten, und sie erwarten dazu das Kommando von oben«, maulte Expräsident Carlos Andrés Pérez, der seiner Geliebten Cecilia Matos einige Millionen Dollar an der Steuer vorbei zugeschustert haben soll.
Hugo Chávez aber steht unter Erfolgsdruck. In den barrios marginales tobt der Bandenterror, der jede Nacht seine Opfer fordert. Die Reichen im Lande haben ihre Schäfchen längst ins Trockene - ins Ausland - gebracht. Sie betrachten die Annäherung von Chávez an Kuba mit größtem Argwohn. Der Staat verdient seit dem Ansteigen der Preise für Erdöl so gut wie lange nicht mehr. Doch die Verwaltung des Budgets transparent zu gestalten, ist auch dem neuen Präsidenten noch nicht gelungen. Eine zweite Aufgabe ist die soziale Mobilisierung, und dazu ist Umdenken notwendig. Soldaten und Beamte helfen bei der Sanierung von Slums und beim Straßenbau, das Militär wurde in großem Maßstab bei der Bewältigung der Schäden der Überschwemmungskatastrophe im Dezember 1999 eingesetzt.
Venezuela, mit 912 050 km² fast dreimal so groß wie Deutschland, ist nicht leicht zu charakterisieren. Es entzieht sich klaren Definitionen, so, wie die meisten Venezolaner es auch nicht mögen, sich endgültig festzulegen, beim Wort genommen oder gar an feste Zusagen erinnert zu werden. Die Gelegenheit beim Schopf zu fassen, ist viel interessanter, als Nibelungentreue zu zeigen. Mit Leichtigkeit wechseln die Venezolaner ihre Position. Bezeichnenderweise bedeutet Musik für sie fast immer zugleich Tanz und nicht etwa Versenkung. Sie als oberflächlich oder als neureich zu bezeichnen liegt Mitteleuropäern nahe. Aber wer dringt schon in die Verästelungen einer venezolanischen Sippe ein? Dort ist zu spüren, wie stark die Familienbande das Leben der meisten Bürger bestimmen.
Doch wer sind die Venezolaner? Unter den rund 22 Millionen Bürgern dominiert die braune Hautfarbe - und die Jugend. Die Hälfte der Bevölkerung ist unter 18 Jahre alt. 70 Prozent aller Venezolaner haben europäische, afrikanische oder indianische Vorfahren; 20 Prozent bezeichnen sich als »weiß«, 8 Prozent als »schwarz«, und rund 1 Prozent der Bevölkerung sind Indianer, die nach der Vorväter Sitte leben. Die ethnische Vielfalt und die Vermischung der Rassen nach solchen Prozentsätzen aufzuschlüsseln, ist jedoch höchst problematisch. Ohnehin ist das Land alles andere als standardisiert. In Caracas verläuft das Leben nach ganz anderen Mustern als in einem kleinen Andendorf, einer Fischerhütte an der Küste oder in einem Dschungelnest im Estado Amazonas.
Venezuela lässt sich in fünf geografische Großregionen einteilen: die Anden und ihre Ausläufer als karibisches Küstengebirge; das westliche Tiefland um den Maracaibosee; das Hinterland mit den weiten llanos, eine Steppe, durch die der Orinoco fließt; das sumpfige Orinocodelta; schließlich den Guayanaschild, die »verlorene Welt« der Tafelberge, Savannen und Regenwälder im Süden, die fast die Hälfte des Territoriums umfasst. Im Norden das Karibische Meer mit seiner zumeist steilen, 3 000 km langen Küste, im Westen die Mauer der Anden und die Grenze zu Kolumbien, im Süden die Wasserscheide zwischen Orinoco und Amazonas und die Grenze zu Brasilien, im Osten die »offene«, politisch umstrittene Grenze zum Nachbarland Guyana: So ungefähr lässt sich dieses große Land umreißen. Gleichwohl ist seine landschaftliche Gliederung erheblich komplizierter.
Wer auch nur annähernd die kontinentale Weite und die enorme Vielfalt der Landschaften und der Lebensformen Venezuelas entdecken will, braucht einige Monate Zeit. Venezuela scheint von der Natur dazu auserkoren, den Besucher in seinen Bann zu ziehen. Traumurlaub unter Kokospalmen an kristallklaren karibischen Gestaden. Hochgebirgstouren durch die bizarre Welt der Anden - der Pico Bolívar erreicht 5 007 m! Wildwasserfahrten und Expeditionen auf den Spuren Alexander von Humboldts bis zum Casiquiare, dem Fluss, der sowohl in den Orinoco als auch in den Río Negro (Amazonas) mündet. Das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde, indem man mit den Cowboys über die Savanne der llanos zieht oder die Gran Sabana mit ihren tepuis aufsucht, den wolkenverhangenen Tafelbergen: Reservate überlebender Saurier?
In Caracas mit seinen supermodernen Betontürmen und seiner blitzsauberen Metro pulsiert das gesellschaftliche Leben des Landes. Jeder vierte Venezolaner lebt in dieser Stadt und fühlt sich als caraqueño den Provinzlern haushoch überlegen. Dabei sind die meisten caraqueños eigentlich Zugereiste. Denn Caracas war noch in den 30 er - Jahren ein großes Dorf mit roten Ziegeldächern. Der Erdölboom hat die Stadt zur Explosion gebracht. Er hat aber auch dazu geführt, dass die Bauern Vieh und Pflug stehen ließen, um in die Stadt, zum Beispiel Maracaibo, zu ziehen und etwas von dem »schwarzen Gold« mitzubekommen. Heute leben vier von fünf Venezolanern in Städten - nicht immer zu besseren Bedingungen als auf dem Dorf, wie die barrios marginales in Caracas demonstrieren, die wie Schuttlawinen von den Berghängen hinabzurutschen scheinen.
Caracas ist eine laute, grelle und schnelllebige Stadt, die keine Zeit findet, Atem zu holen und Siesta zu halten. Unter allen Metropolen Lateinamerikas ist Caracas die modernste, vielleicht auch die lauteste, und sicher liegt sie Chicago näher als Córdoba. Die koloniale Kleinstadt, die immer im Schatten der Geschichte lag, hat offensichtlich den Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft, ohne sich groß um ihre Vergangenheit zu kümmern. Ein seelenloser Moloch indes ist Caracas mitnichten. Man braucht sich nur dem Treiben auf der kleinen Plaza Bolívar zu überlassen, ein wenig über die Sabana Grande zu bummeln oder durch die vielen Parks zu streifen. Caracas liegt auf 1 000 m Höhe in einem Windkanal zwischen den Bergen. Nennenswerte Industrie findet sich im Weichbild der Stadt nicht. Die Luft in diesem »ewigen Frühling« könnte also himmlisch sein - wenn die Autos nicht wären.
In Caracas wird gearbeitet, an der Küste aber das Geld ausgegeben. Die Badeorte ziehen sich an der Nordküste entlang wie eine Perlenschnur. Atolle und Riffe, exzellente Tauchsportparadiese, sind der Küste vorgelagert. Puerto la Cruz hat sich in den letzten Jahren neben Barcelona und Cumaná zum touristischen Zentrum an der Karibikküste entwickelt. Seine Uferpromenade, der Paseo Colón, lädt zum Bummeln und Pausieren ein. Ein bisschen wie Saint - Tropez, ein wenig wie Benidorm, mag man denken.
Von Puerto la Cruz und vom altehrwürdigen Barcelona aus ist es nur noch ein Katzensprung hinüber nach Margarita, der Urlaubsinsel par excellence. Die weiten, sauberen Strände locken jedes Jahr Tausende sonnenhungriger Mitteleuropäer an; aber die Isla de Margarita ist auch das Reiseziel der Venezolaner - weil man dort außer baden auch zollfrei einkaufen kann. Der Hotel - Bauboom der letzten Jahre hat auf der Insel nicht immer die schönsten Denkmäler geschaffen, und manchmal fühlt man sich geradezu nach Mallorca oder Gran Canaria versetzt. Doch Margarita bietet dem unternehmungslustigen Touristen immer noch genügend Freiraum und landschaftliche Schönheiten, die zu entdecken sich lohnt.
Westlich von Caracas fällt die Küstenkordillere so steil zum Meer ab, dass sich nur ein paar kaum zugängliche Fischerdörfer in die Felsen gekrallt haben. Erst westlich von Valencia öffnet sich die Landschaft. Am Fuß der Halbinsel Paraguaná stoßen wir auf die Perle Venezuelas, die koloniale Provinzhauptstadt Coro, die älteste Stadt des Landes, die in ihrem Dornröschenschlaf verharrt. Noch weiter westlich schließt sich das Tiefland um den Maracaibosee an, die heißeste Ecke des Landes. In dieser hitzeflimmernden Hölle fand man in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts Erdöl. Danach gab es kein Halten mehr: Heerscharen von hartgesottenen Texanern und rednecks überzogen den See und seine flachen Ufer mit einem Wald von Bohrtürmen, die Kleinstadt Maracaibo wandelte sich über Nacht in eine Kulisse aus dem Wilden Westen.
Etwa 200 km Luftlinie vom schwülen Maracaibo nach Süden, in Mérida, der schärfste Kontrast: die einsame, kühle Welt der Anden, der klaren Gebirgsbäche und der abgelegenen Indiodörfer. Hier ist nichts mehr vom hektischen, turbulenten, karibischen Venezuela zu spüren. Das raue Klima und das karge Leben haben die Menschen geprägt. Wer die Berge liebt, kommt hier auf seine Kosten. Allerdings: Markierte Wanderwege wie in den Alpen wird man kaum finden.
Endlose Weiten und ein Himmel, der keine Grenzen kennt: Die Steppen- und Savannenlandschaft der llanos im Südwesten ist das schwermütige Hinterland Venezuelas, in dem, wie manche meinen, dessen wahre Seele zu finden ist. Cowboyromantik, Lagerfeuer unter dem Sternenzelt. Die sonnengegerbten Gesichter der llaneros sprechen vom kargen, aber freien Leben, vom Machomythos, von Härte und Abenteuer. Durch die llanos muss man reiten oder mit dem Jeep über die staubigen Pisten preschen. Doch irgendwann sind auch die besten Straßen zu Ende, und südlich des Orinoco, in Apure, Bolívar und Amazonas, kommt man nur noch mit dem Einbaum weiter, immer weiter und tiefer hinein in die »grüne Hölle« Amazoniens.
Die Reise den Orinoco hinauf bis an die Grenze zu Brasilien ist heute kaum weniger abenteuerlich als zu Zeiten Alexander von Humboldts. Trotz Außenborder und Buschflugzeug: Die Stromschnellen sind geblieben. Doch das spektakuläre Abenteuer, für das nicht einmal viele Tage notwendig sind, erwartet den Venezuela - Besucher im Nationalpark Canaima im Hochland von Guayana südlich des Orinoco im Staat Bolívar. Wie stumme Zeugen der Vergangenheit ragen die Tafelberge aus der Gran Sabana auf; sie beherbergen eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Die tepuis, die »Häuser der Götter«, sind von Wolken gekrönt, und von ihren senkrechten Felswänden rauschen gewaltige Wasserfälle herab - der Salto Angel fast 1 000 m tief! Dschungelcamps und Urwaldpfade haben die »verlorene Welt«, wie sie der berühmte Krimiautor Sir Arthur Conan Doyle nannte, für den Naturliebhaber erschlossen. Von der Insel Margarita, von Barcelona oder Caracas aus kann man per Charter in diese Region fliegen, die noch bis vor wenigen Jahren einzig das Ziel von Goldsuchern und das Siedlungsgebiet der Pemón, steinzeitlicher Indianer, gewesen ist.
Venezuela trägt seinen Namen zu Unrecht. »Kleinvenedig« - so hatte anno 1499 der Italiener Amerigo Vespucci (nach ihm erhielt Amerika seinen Namen) die Gegend ironisch genannt, als er die Pfahlbauten der Indianer im flachen Wasser des Maracaibosees sah. Vespucci war nicht der erste Europäer, der den Festlandboden der Neuen Welt betrat. Das war bekanntlich Christoph Kolumbus auf seiner dritten Atlantiküberquerung im Jahr 1498. Doch Kolumbus hatte ja bis zu seinem Tod geglaubt, die »Wilden« seien Inder, »Indianer«, und die Welt, die er für Europa entdeckt hatte, sei ein Stück von Asien.
»Kleinvenedig«, der Name hat sich gehalten, auch wenn Simón Bolívar, der »Befreier«, Sohn einer reichen Familie aus Caracas, lieber »Großkolumbien« regiert hätte. Doch die Blütenträume des Revolutionärs zerbrachen schon zu seinen Lebzeiten an der Wirklichkeit. Auf dem Sterbebett soll er gesagt haben: »Amerika zu regieren ist so leicht wie einen Ozean zu pflügen.«
Simón Bolívar, dem Heros Lateinamerikas, dem Nationalhelden Venezuelas, haben so gut wie alle Länder des Subkontinents, insbesondere aber Venezuela, die Unabhängigkeit zu verdanken, die schwer erkämpft werden musste gegen die spanischen Kolonialherren. Dabei waren es nach der Entdeckung dieser Küste anfangs nicht so sehr spanische Soldaten als vielmehr ausländische Söldner, denen man sagenhafte Goldschätze versprochen hatte, wenn sie nur »Eldorado« fänden, die geheimnisumwitterte Stadt der Indianer, von deren Häuptlingen es hieß, sie badeten in Gold.
Die Gier nach Gold hatte die Galeeren über den Ozean getrieben. Kaiser Karl V. hatte die Stimmen zu seiner Kaiserwahl buchstäblich kaufen müssen und sich so hoch bei dem Augsburger Handelshaus der Welser verschuldet, dass er ihnen freie Hand gab, in einem abgelegenen Teil seines Weltreiches, eben in »Kleinvenedig«, selber nach Gold zu suchen. Und so mischten sich unter den bunten Söldnerhaufen auch deutschsprachige Abenteurer.
Die Spanier vernachlässigten den östlichsten Teil des Vizekönigreichs Neugranada, das spätere Venezuela. Ihre Faszination galt vielmehr Mexiko und Peru, Regionen, in denen unter Azteken und Mayas beziehungsweise den Inkas indianische städtische Hochkulturen entstanden waren, die in vieler Hinsicht den europäischen überlegen waren - nur nicht in der Waffentechnik. So konnte der kastilische Schweinehirt Pizarro mit ein paar Musketen und Musketieren das größte südamerikanische Imperium stürzen und der Haudegen Cortés Mexiko erobern. Die Eroberung Venezuelas und die Ausrottung seiner Urbewohner geschahen fast unbemerkt. Aber es gab hier ja auch keine Tempel und Burgen zu schleifen. Von den Europäern eingeschleppte Krankheiten und aufgezwungene Fronarbeit schafften es, binnen zweier Jahrhunderte fast alle indianischen Stämme auszurotten.Was konnte man mit Venezuela schon anfangen? Gold war nicht vorhanden, Zuckerrohr wuchs auf den Karibischen Inseln schneller, für Baumwolle und Kaffee gab es anderswo günstigere Standorte. Im 18. Jh. machte Venezuela mit Kakaobohnen eine Zeit lang gute Geschäfte; dann war auch das vorbei. Der Unabhängigkeitskrieg 1811 - 1821 warf Venezuela um Jahrzehnte zurück. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts lag das Land außerhalb des zivilisierten Weltkreises. Doch eines Tages fand man im »Freistaat« Zulia die ersten Ölquellen ...