Rückkehr ins Paradies
Der touristische Wiederaufbau in Süd(ost)asien trägt erste Früchte
Ein Jahr nach dem verheerenden Tsunami im Indischen Ozean läuft der Tourismus in Teilen der betroffenen Gebiete wieder relativ normal. Für die Länder ist das ein Segen.
Rückkehr ins Paradies
Reiseveranstalter, die im Sommer noch mit einem massiven Rückgang der Gästezahlen fertig werden mussten, erleben in der laufenden Wintersaison 2005/06 die Rückkehr der Deutschen an die Traumstrände Thailands und auf die Malediven-Atolle mit ihren bunten Hausriffen. Sri Lanka dagegen muss auf diese Wende zum Besseren noch warten. Diese unterschiedliche Entwicklung war schon im Sommer spürbar. Sri Lanka erlitt bei den Veranstaltern die stärksten Einbrüche: Bei TUI und Neckermann sanken die Gästezahlen um 37 bis 40 Prozent. Auf den Malediven und in Thailand fiel das Minus längst nicht so klar aus.
Zurück an die Westküste
Der Sommer ist für die Veranstalter am Indischen Ozean allerdings Neben-saison - entscheidend ist der Winter, wenn viele Deutsche ihrer kalten Heimat den Rücken kehren wollen. Und genau das passiert jetzt: "Phuket kommt wieder" - diese Erfahrung machen die Reiseanbieter fast überall. Das Thema Tsunami spiele in den Reisebüros keine große Rolle mehr, sagt TUI-Sprecher Robin Zimmermann in Hannover. Viele Flüge waren lange vor Weihnachten schon ausgebucht, beobachtete Helmut Drotleff von Transorient Tours in Hamburg. Viele Thailand-Stammgäste seien im Sommer vermehrt nach Koh Samui im Golf von Siam gereist und kehrten nun zum Winter an die Westküste zurück.
Mehr Auswahl, mehr Buchungen
Das gilt auch für Khao Lak, wo am 26. Dezember 2004 viele Hotels fast komplett zerstört wurden und Hunderte Urlauber ums Leben kamen. Als Neckermann in seinem Winterkatalog einem Haus in Khao Lak eine ganze Seite widmete, bezeichnete Fernreisen-Direktorin Stefanie Berk das im August noch als "einen Akt der Solidarität mit dem Zielgebiet".
Inzwischen ist dort "eines unserer am besten gebuchten Häuser" zu finden, freut sich Berk. Zum Teil reisen nach Khao Lak auch die Angehörigen von Tsunami-Opfern, "um dort für sich zu einem Abschluss zu kommen", vermutet Matthias Rotter, Touristikleiter bei Meier's Weltreisen in Frankfurt/Main. Auch bei Meier's hat Khao Lak eine Zukunft - im Sommer 2006 kommt ein fünftes Hotel hinzu. Überhaupt wächst die Auswahl für Asien-Reisende: Mehr Hotels und neue Rundreisen - so sieht das neue Sommerprogramm in Thailand, Sri Lanka und den Malediven aus. Auch bei Meier's Weltreisen, Dertour und anderen werden die Kataloge dicker: "Wir haben neue Hotels in Phuket, in Koh Phi Phi und in Sri Lanka", zählt Rotter auf.
Nur Sri Lanka hinkt hinterher
Dass Sri Lanka bei der Rückkehr zur touristischen Normalität zumindest bei deutschen Reisenden hinterher hinkt, hat mehrere Gründe. "Über die Zerstörungen dort wurde länger als in Thailand in den Medien berichtet", sagt Matthias Rotter. Außerdem sei das Ziel Sri Lanka lange Zeit vor allem über günstige Reisepreise vermarktet worden, ergänzt TUI-Sprecher Zimmermann. Nun aber haben die Preise vor allem wegen der Kerosinverteuerung angezogen, was sich bei Fernzielen wie Sri Lanka besonders bemerkbar macht. "Erst war alles kaputt, und dann werden auch noch die Preise erhöht - das ist bei den Leuten im Kopf hängen geblieben", lautet Robin Zimmermanns Erklärung.
Foto: © FVA Thailand