Kulturreiche Toskana
Das Land der Zypressen und Weine
Zypressen und Mohnfelder. © FVA Italien
"Ein azurblaues Panorama von Ebenen, Bergen, Tälern, am Horizont verstreute Städte und Landhäuser im Spiel von Licht und Schatten", so präsentierte sie sich dem reisenden Théophile Gautier 1850 - und auch heute noch ist dies der erste Eindruck bei Besuchern.
Eben diese Vielfalt ist es, was so viele Urlauber begeistert. Manch einen im Übrigen so sehr, dass er eine Art "Sommerresidenz" in Form eines alten Weinguts ersteht und sich hier über Monate sesshaft macht. Wer "nur" für kürzere Zeit in Bella Toscana verweilt, sollte einige Saisonalitäten beherzigen. Die Maremma, die südlichen Küstenniederungen, eignet sich für einen Besuch am besten im Hochsommer, das Chianti, wenn sich das Weinlaub rot färbt. Seine größte Suggestionskraft entwickelt der Wald bei Camaldoli im Frühnebel und die Balze bei Volterra bei Sonnenuntergang, wenn die Schattierungen der vielfarbenen Erdschichten besonders leuchtend hervortreten.
Blühende Mandelbäume und roter Klee
Spätherbst und Winter sind die richtige Zeit für Museumsbesuche und geruhsame Einkäufe in den Städten: Keine Touristengruppen versperren den Blick auf die Sehenswürdigkeiten, und in Geschäften und Lokalen wird man mit besonderer Höflichkeit bedient. Im Januar und Februar blühen an der Küste die Mimosen und Mandelbäume, und einsame Spaziergänge am aufgewühlten Meer haben dann einen ganz besonderen Reiz. Um die Osterzeit bietet besonders die südliche Toskana reizvolle Kontraste: Der rote Klee überzieht die Hügellandschaft, während auf den Höhen des Monte Amiata noch Schnee liegt. Der Mai ist die beste Zeit für Wanderungen in den tiefen Tälern der Garfagnana oder auf den Höhen der Apuanischen Alpen und in der artenreichen Vulkanlandschaft rund um den Monte Amiata.
Mondänes Strandleben an der Küste
Die Inseln mit ihren Steilküsten und Buchten sind ein Paradies für Unterwasserfischer und Taucher. Das Badeleben an den schönen, kilometerlangen Sandstränden der Versilia ist ausgesprochen mondän; hier trifft man die elegantesten Frauen der Florentiner Gesellschaft; exquisite Nightclubs und wilde Diskos wechseln an der Uferpromenade mit teuren Restaurants. Südlich von Pisa wird das Strandleben legerer und familiärer, und an der Felsküste des Monte Argentario sind die Reichen und Mächtigen unter sich. Elba ist die beliebteste Ferieninsel der Deutschen, die Italiener bevorzugen Giglio. Im August wird die ganze Küste zunehmend von Toskanern, aber auch von Römern vereinnahmt - es wird für einige Zeit voll an den Stränden. Im September und Oktober gehört das Meer wieder fast ausschließlich den ausländischen Touristen, und nie ist es schöner, als in diesen goldenen Spätsommertagen.
Weine und Olivenöl
In den Weinbaugebieten beginnt nun die Lese, und für diejenigen, die geruhsame Tage in einem der ausgebauten Gutshöfe oder einem der schönen Schlösser im Chianti verbringen wollen, ist jetzt die ideale Urlaubszeit. Von November bis Januar dauert die Zeit der Brucatura an, in der die Oliven von Hand von den Zweigen abgestreift werden - manchmal wird diese Arbeit auch schon mit Erntewagen erledigt. 195.000 Hektar Land sind in der Toskana mit Oliven bepflanzt, die Region steht mit ihrer Ölproduktion an vierter Stelle in Italien, aber, so meinen viele Kenner, an erster Stelle in der Qualität. Hochwertiges Olivenöl gehört neben den Qualitätsweinen (D.O.C. und D.O.C.G.), vornehmlich aus der Chianti-Zone, zu den hauptsächlichen landwirtschaftlichen Exportartikeln der Region.
Die größte Kunstlandschaft Italiens
Ihr Schönheit und vor allem die Kunstschätze einiger Städte locken jährlich weit über sieben Millionen Touristen an; die Toskana zählt zu den beliebtesten Zentren des Fremdenverkehrs in ganz Europa. Sie ist die größte Kunstlandschaft Italiens, vier Fünftel der Kunstschätze des Landes findet man auf ihrem Gebiet. Wenige Regionen haben die europäische Kunst und Kultur so befruchtet. Dennoch hat die Toskana keineswegs einen musealen Charakter. Namen wie Botticelli, Donatello, Leonardo, Michelangelo, Dante, Boccaccio, Petrarca, Machiavelli und Galilei - sie sind den Toskanern so geläufig wie die Namen ihrer Nachbarn.
Der Stolz der Toskaner
Ihr bis heute vorherrschendes Aussehen erhielt die Toskana als man sie in etruskisch-römischer Zeit vermaß und die Region durch Zypressen untergliederte. Schon im Mittelalter nahm die Toskana jene für sie typische Form an, die von der Ausgewogenheit zwischen Mensch und Natur zeugt. Ein Geflecht aus Gehöften und befestigten Städten, das die Landschaft wie ein lockeres Netz überzieht. Die Städte lagen seit dem frühesten Mittelalter im Wettstreit miteinander und noch heute fühlt sich jeder Toskaner ausschließlich seinem Geburtsort zugehörig. Kein in Fiesole Geborener wird sich als Florentiner bezeichnen, und dabei geht das weithin unbekannte Örtchen nahtlos in die Großstadt Florenz über. Nicht nur Florenz und Prato trennen Welten - und die gegenseitige Abneigung ihrer Bürger -, sondern auch die kleinen Provinzorte, die ehemals zu verschiedenen Herrschaftsgebieten gehörten. Ebenso stark ist das Zugehörigkeitsgefühl zum jeweiligen Stadtviertel. Den sichtbarsten Ausdruck hierfür liefert der Palio delle Contrade in Siena, der mit verbissenem Ernst ausgetragene Reiterwettkampf zwischen den siebzehn Stadtvierteln.
Freundlich, aber nicht privat
Dem Fremden begegnen die Toskaner meist freundlich, aber mit Zurückhaltung. Touristen, die anbiedernde Dienstleistungen gewohnt sind, fühlen sich in der Toskana leicht vernachlässigt. Das sind sie keineswegs, aber man drängt sich nicht auf, man dringt nicht in die Privatsphäre eines anderen ein. Spontane Einladungen in das Haus eines Toskaners wird es so gut wie nie geben.