Italiens Wintersportort Nr. 1
Madonna di Campiglio reizt Skiurlauber zu Höhenflügen
Gletscher, schwarze Pisten und gemütliche Familienabfahrten: Madonna di Campiglio hat sich mit den Jahren zu Italiens beliebtesten Skiort gemausert.
Die Pisten am Passo Tonale
Im Wettstreit mit dem Rivalen Cortina d'Ampezzo um die Nummer Eins für Skiurlauber in Italien hat Madonna di Campiglio in den vergangenen Jahren Boden gut gemacht. Eine weitläufige Fußgängerzone im Zentrum hat den Nobelort verändert. Aber auch die Sportausbauten sprechen für sich: 22 Seilbahnen gewähren den Zutritt zu rund 90 Pistenkilometern, zählt man die unweit entfernten Skiareale Passo Tonale, Val di Sole, Paganella und Co. hinzu, kommt man auf 140 Seilbahnen und 340 Kilometer Pisten, davon 230 mit Beschneiungsanlagen. Bis vor wenigen Jahren war für den nördlichen Teil des Madonna-Skigebiets ein Extra-Skipass fällig. An dieser stark frequentierten Schnittstelle wird ein Kuriosum geboten: Die zentrale Liftkasse macht Mittagspause. Der zuständige Kassenwart geht zum Kollegen von der Gondel gleich nebenan auf einen ausgiebigen Tratsch.
Schwarz erfreut die Profis
Von hier aus erreicht man Folgarida und Marilleva, einen Retortenort aus den 1960er-Jahren mit viel Beton und wenig Charme - allerdings auf den attraktivsten schwarzen Abfahrten der weiten Umgebung. Zu den Pisten am Passo Tonale gehört ein kleines Gletscher-Skigebiet auf 3000 Metern Höhe. Genauso wie die gemütlichen Familienpisten im Nachbarort Pinzolo ist es nur per Pkw oder Bus erreichbar. Werden italienischen Pisten gerne endlose Zugwege und mäßige Neigungswinkel für "Downhill" vorgeworfen, glänzt Madonna mit einer angenehmen Mischung für Fortgeschrittene: Allein zehn Prozent der Pisten sind schwarz markiert.
Komfort ganz ohne Hektik
Komfort wird am Fuße des Brenta-Massivs überall groß geschrieben: Self-Service ist genauso wenig gefragt wie Hektik im Gelände. Wer es gerne einsam auf der Piste hat, ist bis 10 Uhr früh bestens bedient. Neun von zehn Madonna-Gästen kommen aus den Ballungsräumen Italiens - sie bestimmen hier den betont unaufgeregten Rhythmus. Das lässt sich bis hin zur Handhabung bei den Liegestühlen verfolgen: Auf dem Giorgio Graffer-Haus beispielsweise gibt es auf der großen Terrasse jede Menge Standard-Exemplare kostenfrei.
Tiefschnee am Gletscher
1514 Meter Höhe im Ortsgebiet von Madonna di Campiglio garantieren reichlich Schnee zwischen November und Mai. Im Skigebiet wird regelmäßig mit mehr als 550 Schneekanonen nachgebessert. Nur Anfänger sind am Morgen auf Schattenhängen anzutreffen - Profis starten mit der neuen Gondelbahn "Cinque Laghi" in die Morgensonne und schließen den Skitag auf dem "Monte Spinale" ab. Danach bietet das Natureis auf dem zugefrorenen See in der Ortsmitte Möglichkeiten zum Eislaufen, Eishockey oder Skijöring. Oder man zieht einen Cocktail im südländischen Ambiente bei Carlo in der neuen Ferrari-Lounge Nabucco vor.
Wein und Schokokade
Alternativ käme die Chocolateria Pasquini von Allesandro und David in Betracht - mit DJ für alle Musikrichtungen, und mit Weinen, die besonders gut zu Schokolade passen. Auf dem gespurten Waldwanderweg "Giro di Campiglio" bringt die reine Gebirgsluft bis zum Abendessen den Appetit zurück. Ende der 1980er-Jahre brachte Alberto Tomba viel Glanz in seinen Heimatort, vor allem bei Weltcup-Slalomrennen auf der legendären Tre. Die ersten Schaulustigen lockten allerdings schon Kaiser Franz Josef und seine Sisi an, die hier zweimal zur "Winterfrische" weilten. Das gibt alljährlich im Frühjahr Anlass für Feierlichkeiten in historischen Kostümen. Heutzutage stellt die PS-Branche das wichtigste Event: Im Januar trifft sich das komplette Ferrari-Team mit Anhang zu einem ausgelassenen Wochenende.
Weitere Informationen:
Anreise: Über die Brenner-Autobahn vorbei an Bozen bis Ausfahrt San Michele, dann 50 Kilometer Landstraße. Flug via Bozen, dann Bus
dpa, 10. Januar 2006