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Strøget und Tivoli

Die bunte Metropole entdecken

Am schnellsten lernen Besucher die Kopenhagener auf dem legendären Strøget kennen, der ersten und längsten Fußgängerzone der Stadt und für viele Gäste deren größte Attraktion. Der Strøget ist nämlich auch Flaniermeile und Treffpunkt  für Jung und Alt, Paare und Penner, Pensionäre und politische Weltverbesserer.

Wer in Kopenhagen heiratet, verbringt hier wenigstens einen Teil des Polterabends, Braut und Bräutigam getrennt voneinander mit jeweils eigener Clique und manchmal auch abenteuerlich verkleidet. Kurz: Am Strøget, der aus mehreren Straßen besteht, läuft niemand und nichts vorbei. So kann man sich mit ein wenig Muße, wozu zahlreiche Cafés einladen, die an schönen Tagen flugs Tische vor die Tür stellen, schon bald einen ersten Eindruck von den Hauptstädtern verschaffen. Sie sind gar nicht so gemütlich, wie man ihnen nachsagt, sondern fühlen sich gehetzt wie Großstädter in aller Welt. Aber sie bleiben bei aller Hektik höflich, manche sogar heiter - wozu nicht zuletzt die vielen Straßenmusikanten beitragen, die den Strøget häufig in eine einzige Open-Air-Veranstaltung verwandeln.
Auch eine Bank im Tivoli ist ein hervorragender Beobachtungsposten, um zu sehen, wie die Kopenhagener miteinander umgehen. Der Tivoli ist nicht nur ein Vergnügungspark, und er ist alles andere als ein herkömmlicher Rummel. Er ist eine Institution, ohne die sich Kopenhagener ihr Großstadtleben nicht vorstellen können. Ein Journalist namens Georg Carstensen erhielt 1842 von König Christian III. die Erlaubnis, ein Vergnügungszentrum auf einem Teil des damals noch die gesamte Innenstadt umgebenden Festungsgeländes zu errichten. Seine Kollegen haben für die Nachwelt festgehalten, wie viele Hände er schütteln musste, als er am 15. August 1843 bei der Eröffnung seines Parks am Eingang jeden Besucher persönlich begrüßte: 3.615!
Mindestens einmal im Jahr geht jeder anständige Kopenhagener in den Tivoli, mancher macht sich dafür besonders fein. Familien, meist mehrere Generationen zum gemeinsamen Bummel vereint, gehen nachmittags in den Vergnügungspark, erwarten den Abend mit seinen vielen bunten Lichtern und schließen den Besuch, wenn es das Alter der Kinder erlaubt, mit dem berühmten Tivoli-Feuerwerk ab.

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Feuerwerk über dem Tivoli

Kinder, das fällt Tivoli-Besuchern sofort auf, werden kaum gegängelt und Jugendliche weniger bevormundet als vielleicht anderswo. Die Dänen, und darin machen die Kopenhagener keine Ausnahme, sind ein sehr kinderfreundliches Volk. Das äußert sich nicht in überzogener Herzlichkeit, sondern darin, dass man immer und überall auch an die Kinder denkt: Spielecken in Geschäften und Banken, in Museen und auch bei Behörden sind eine Selbstverständlichkeit. So fällt es vielen Gästen in Kopenhagen vielleicht leichter als in anderen Städten, ihren Nachwuchs mit auf den Citytrip zu nehmen. Aber Kopenhagen-Besucher, die ihre quengelnden Kinder beim anstrengenden Stadtbummel ausschimpfen - oder denen vielleicht sogar die Hand ausrutscht -, müssen mit öffentlicher Empörung rechnen. Da endet die Toleranz der Dänen.
Die Wochen vor Weihnachten sind ein ganz besonderes Kapitel in Kopenhagen. Der Atmosphäre in der festlich dekorierten Stadt kann sich kein Besucher entziehen, und die sichtbar zur Schau getragene, kindliche Vorfreude steckt an. Das ist die Zeit der Weihnachtssondermarken, der julemærker: bunte, von Künstlern gestaltete Briefmarken ohne Portowert, von deren Erlös Kinderheime finanziert werden.
Leicht kommen Besucher mit den Einheimischen ins Gespräch, im Café, in der Kneipe, im Museumsrestaurant. Sie kennen sich häufig überraschend gut aus mit den Verhältnissen in Deutschland. Kopenhagener sind gute Spötter, und sie lieben es, auch in einer Fremdsprache - Englisch ist fast zweite Muttersprache - ironische Bemerkungen zu machen. Tak, danke, und mange tak, vielen Dank, sind die Vokabeln, die Besucher bei einem Kopenhagen-Aufenthalt am häufigsten hören. Kopenhagener sind Meister im Bedanken. Sie bedanken sich für eine Einladung bei der Zusage wie auch beim Erscheinen, ein Dank gehört zum Abschied - und ein Dankeschön für den wundervollen Abend wird dann noch einmal per Telefon nachgeschickt. Und wenn sich Gastgeber und Gast später einmal treffen, ist ein "danke für neulich!" angebracht. Also: tak und mange tak! Aber noch nie ist eine Freundschaft daran gescheitert, dass mal ein Dankeschön vergessen wurde. Das sehen die Kopenhagener vor allem ausländischen Gästen nach. Denn sie sind wirklich tolerant.

Quelle: Marco Polo

   
   

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