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Entdecken Sie Sri Lanka!

Wie eine Perle, so wirkt es auf der Landkarte, hängt die Insel am indischen Subkontinent. Oder doch eher wie eine Träne? Keinem anderen Land hat man schönere Namen gegeben.

Wie eine Perle, so wirkt es auf der Landkarte, hängt die Insel am indischen Subkontinent. Oder doch eher wie eine Träne? Keinem anderen Land hat man schönere Namen gegeben.

In der Antike war vom Teich der roten Lotusblüten die Rede, vom Land der Hyazinthen und Rubine, von Lankadiva, der Insel der Götter, von Taprobane, dem kuperfarbenen Land. Auch Sri Lanka, der neue alte Staatsname, hat eine poetische Bedeutung: "Strahlend schönes Land" heißt die Insel jetzt wieder, die einige Jahrhunderte, während der europäischen Kolonial-herrschaft, unter dem Namen Ceylon bekannt war. Auch dieser Begriff wurde immer wieder, wie in den Legenden aus uralter Zeit, mit dem Paradies verglichen. Reisekataloge nehmen solche Vergleiche bis heute nur zu gern auf. Und doch ist dort, wo so lange der Garten Eden vermutet wurde, zuweilen die Hölle los: Ein verlustreicher Kampf der singhalesischen Armee gegen tamilische Untergrundkämpfer im Norden und Osten des Landes und vor allem grausame Selbstmord-Attentate machen immer wieder Schlagzeilen. Der Tourismus und dieübrige Wirtschaft des Landes, manchmal gerade in einer viel versprechenden Erholungs- und Aufbauphase, werden nach solchen Anschlägen meistens für Monate zurück geworfen. Dennoch macht sich auf der Insel immer wieder Hoffnung breit, wächst die Wirtschaft sogar (wenn auch viel langsamer, als es ohne den Bürgerkrieg möglich wäre).

Höchstens zehn Flugstunden trennen uns von Sri Lanka, dessen Natur auf die Neuankömmlinge noch vielfältiger, noch verschwenderischer wirkt als sie es sich ausgemalt hatten: Traumstrände, schöner als in der Südsee, Teegärten und Reisterrassen, Stauseen, breite, schlammige Flüsse, ein Bergland mit Dschungeln, Resten des ursprünglichen Regenwaldes und Rhododendronwäldern, gewaltige Wasserfälle, wildreiche Nationalparks mit Savannen und Mangroven, botanische Gärten mit den schönsten Blumen der Tropen.Und inmitten dieser unglaublichabwechslungsreichen Landschaft liegen die großartigen Monumente einer jahrtausendealten Hochkultur, die vor allem buddhistisch geprägt ist. Diese Tempel und Reliquienschreine, Palastruinen und Felsstatuen krönen Berge, ragen aus dem dichten Grün der Wildnis heraus oder lassen dunkle Höhlen zu kunstvoll ausgemalten Andachtsstätten werden. Alle diese Orte, auch wenn nur Säulenreste und Steineübrig geblieben sind, gelten den Einheimischen als heilig. Sie legen Blumen vor die verwitterten Buddhastatuen, sie betreten die Bezirke längst aufgelöster Klöster nach wie vor nur barfußund mit liebevollem Respekt.

Die Urlauber schauen in die lächelnden Gesichter sanfter Menschen, von denen sie kaum sagen können, ob es Tamilen oder Singhalesen sind-und ihnen, den Gästen, die hier das Paradies suchen, ist die Grausamkeit unbegreiflich, mit der sich die beiden wichtigsten Bevölkerungsgruppen befehden. Die Wurzeln des Streites, der in den letzten 25 Jahren zu einem Guerillakampf mitüber 60000 Opfern geworden ist, reichen tief in die Vergangenheit. Seitüber 2000 Jahren ist die Geschichte Sri Lankas auch eine Geschichte der Auseinandersetzungen zwischen buddhistischen Singhalesen, die sich seit eh und je als die eigentlichen Herren der Insel empfinden, und den hinduistischen Tamilen, die von der Mehrheit gern als Eindringlinge bezeichnet werden, obwohl sie kaum weniger lange auf der Insel siedeln.

Mit einer Legende beginnt die Historie: Ein Königssohn aus Nordindien, Vijaya, angeblich Enkel eines Löwen (singha oder sinha auf Singhalesisch), landet mit 700 Kriegern auf der Insel. Auf ihn führen die Singhalesen - die"Löwenmenschen" - ihren Ursprung zurück. Am selben Tag, an dem der Prinz hier ankommt, so setzt sich die Legende fort, geht ein Adliger namens Siddharta Gautama in Nordindien ins Nirwana ein - als Buddha ("der Erleuchtete"). Das war um 480 vor unserer Zeitrechnung. 250 Jahre später bekehrte ein Sohn des großen indischen Kaisers Ashoka den König von Anuradhapura zum Buddhismus. Seither bestimmt diese Weltanschauung - ursprünglich eher eine Philosophie, heute eine der vier großen Weltreligionen - den Alltag und mit ihren Festen auch den Jahresrhythmus der Bevölkerungsmehrheit. Und genauso lange halten die Versuche der Tamilen an, sich ihren Anteil am Paradies zu sichern. Bis ins 20. Jh. machten sich europäische Mächte, die sich als Kolonialherren die Insel unterworfen hatten, den Zwist zunutze.

Vor allem die Briten waren auch in diesem Teil der Welt Meister in der Kunst, zwei Gruppen gegeneinander auszuspielen. Sie bevorzugten zum Beispiel in der Verwaltung die Tamilen, die ihnen wendiger und williger erschienen als die weit größere Gruppe der Singhalesen, die ihnen eher als stolze und an ihren Landbesitz gebundene Bauern gegenüber traten. Nach der Unabhängigkeit 1948 drehten jene, die sich immer schon für die Elite des Landes gehalten hatten, den Spießum: Die Singhalesen unterdrückten nun Kultur und Sprache der Tamilen. Jahrzehntelang wurde die Minderheit rigoros benachteiligt. Diese flüchtete sich erst in den politischen und später in den bewaffneten Widerstand, der in den Terror der tamilischen Befreiungs-bewegung LTTE (kurz "Tamil Tigers" genannt) mündete. Die Forderung dieser fanatisierten Gruppierung, die international mit anderen Terrororganisationen verbunden ist: ein eigener tamilischer Staat im Norden und Osten der Insel ("Eelam"). Nach Meinung der meisten Fachleute ein solcher Staat wäre kaum lebensfähig. Seit dem Frühjahr 2002 besteht nun die begründete Hoffnung, dass der unter Vermittlung der Norweger stattfindende Friedensprozess Erfolg haben könnte. Die Tiger halten sich zurzeit an den Waffenstillstand, und der Norden wird langsam wieder geöffnet.

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Elefanten. Foto: Tanja Plöger

Auch in der Antike wechselten friedliche Zeiten mit Kämpfen zwischen Singhalesen und Tamilen um die Vorherrschaft auf der Insel ab. Zwei besonders entspannte Epochen begründeten lange vor unserer Zeitrechnung und später noch einmal im 11. Jh. die Hochkultur, die wir heute so bewundern. Das waren die großen Königreiche, die zuerst von Anuradhapura aus,über 1200 Jahre lang, und danach für relativ kurze Zeit von Polonnaruwa aus regiert wurden. Sie sind buddhistisch geprägt, weisen aber an vielen Stellen bis heute sichtbar starke hinduistische und damit tamilische Einflüsse auf.

Vor allem in den beiden ehemaligen Königsstädten, aber auch im Südosten der Insel und an vielen anderen Stellen, leuchten die weißen Kuppeln der buddhistischen Heiligenschreine-Dagobas genannt-aus dem tiefen Grün der Landschaft und faszinieren Besucher durch eine Atmosphäre, die von der Sanftmut dieser toleranten Weltanschauung bestimmt ist.

Einen völlig anderen, nicht so kontemplativen Eindruck machen die Tempel der Hindus. Ihre Tortürme zieren bunte Darstellungen aus dem schier unübersehbar vielfältigen Götterhimmel dieser Religion. Die schönsten und am meisten besuchten Hindutempel stehen dort, wo die Tamilen in der Mehrheit sind: im Norden, besonders in und bei Jaffna, und an der Ostküste. Diese Gebiete sind aber derzeit nicht oder nur sehr schwierig zu bereisen. Wer sich Shiva, Vishnu, Ganesha, Skanda und die anderen Hindugottheiten sowie die Zeremonien in ihren Tempeln anschauen möchte, hat dazu aber auch in Colombos Basarviertel oder z.B. in Matale, auf dem Wege von Kandy nach Norden, gute Gelegenheit.

Sri Lanka, das auch einmal die Perle der Welt genannt worden ist, mag nie das Paradies gewesen sein. Aber wer mit offenen Sinnen durchs Land reist, wird bald zustimmen: An vielen Stellen kommt die Insel unserer Vorstellung vom Garten Eden, allen Problemen zum Trotz, doch ziemlich nahe.

   
   

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