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Namibia - Beispielloses Land

Entdecken Sie Namibia!

Namibia, im Südwesten Afrikas, zwischen der Kalahari-Wüste im Osten und dem Atlantischen Ozean im Westen gelegen, ist in seinem Erscheinungsbild so beispiellos, dass es schwer fällt, die ungewöhnliche Schönheit dieses unwirtlichen Landes zu beschreiben.

Was ist an Wüste, an felsigen Küsten und unbewaldeten Bergketten schön, fragt man aus der Ferne, um dann vor Ort fassungslos angesichts der Dünenlandschaften zu sein, die kein noch so wagemutiger Landschaftsarchitekt in Form und Farben spektakulärer hätte gestalten können.
Die Namib, die als älteste Wüste der Welt bekannt ist, scheint keine Grenzen zu kennen und dehnt sich als ockerfarbige Berg-und-Tal-Landschaft bis weitüber den Horizont aus. Da huschen Eidechsen schnell wie ein Peitschenschlag über die glühend heiße Oberfläche, verkriechen sich im Schatten ausladender Euphorbien, während Skorpione, Schlangen und Käfer plötzlich im Inneren der Dünen verschwinden. In der Ferne ziehen Strauße auf dem Kamm einer Düne entlang, Oryxantilopen und Springböcke verharren reglos unter Kameldornbäumen, und Spuren verraten, dass in der vergangenen Nacht ein Leopard unterwegs war. So, als wolle sie den natürlichen Grenzen der Bergketten im Norden und Osten nur widerwillig Terrain überlassen, verliert sich die Wüste erst in den schroffen Tälern des Centralplateau-Gebirges, legt den Bergriesen sandige Kragen um und kehrt im Norden, im Gebiet des Etosha-Nationalparks, als hellgraue staubige Wüstenfläche wieder.

Wie sehr straft dieser Teil Namibias alle Vorurteile um leere Wüsten Lügen! Denn nur wenige Teile der Welt können mit einem solchen Tierreichtum aufwarten, können mit unzähligen Zebraherden, Antilopen und Böcken, Warzenschweinen, Giraffenfamilien, Vögeln und was sonst so kreucht und fleucht konkurrieren, mit Elefantenherden so groß, wie man sie nie mehr erwartet hätte, dazu Raubkatzen und Rhinozerosse. Und im nicht weit entfernten Caprivistrip (Caprivi-Zipfel) werden in Zukunft, wenn das Naturschutzprogramm Erfolg hat, wie vordem riesige Büffelherden grasen.
Namibia ist eine Landschaft der Superlative, viel zu gewaltig, viel zu wild, als dass der Mensch sie bändigen könnte. Unzählige versuchten ihre Kraft schon an der Küste, die in ihrer ganzen Länge von 1.600 Kilometern allmorgendlich von dichtem Nebel verhangen ist und deren scharfkantige Felsen unter Wasser so weit ins Meer hinausragen, dass auch heute noch, trotz modernster Navigationshilfen, nur gewiefte Seeleute in der Lage sind, die tückischen Klippen zu umschiffen. Zahllose gestrandete Schiffe in Buchten und an Felsvorsprüngen erzählen die Geschichten derer, die der Wildheit dieses Abenteuers nicht gewachsen waren. Und weil diese Wracks Skeletten ähneln, trägt die Küste den Namen "Skeleton Coast", Skelettküste. Der Begriff ist Namibia-Reisenden von jeher Symbol für die Unwirtlichkeit des Landes und dessen Mystik. Denn hier ist viel die Rede von neuen geheimen Diamantenvorkommen, von Schmugglerschiffen und moderner Piraterie, aber auch vom vielfachen Scheitern, das karge Land zwischen den Bergketten des Waterberg-Plateaus am Horizont nutzbar zu machen - bis die Natur erneut und unaufhaltsam die Vorherrschaft zurückgewinnt.

Entdecken Sie in Namibia die unberührte, wilde Schönheit des Landes, den Reichtum an Tierarten und die Gastfreundschaft der Einheimischen und lassen Sie sich gleichzeitig auf einen Lernprozess ein: sich von der Natur einen Platz zuweisen zu lassen! Wenngleich diese Schule nicht so ganz in das Konzept technisch orientierter Erfolgsmenschen passt, so fallen doch die meisten Besucher dem Zauber der dominanten Natur anheim.
Die Zahlen derer, die immer wiederkommen, sprechen für sich.
Dabei ist die Tatsache nicht zu leugnen, dass gerade deutschsprachige Touristen Namibia unter den afrikanischen Reisegebieten deshalb favorisieren, weil ihnen eine von zu Hause bekannte Lebensweise und Sprache den vermeintlichen Kulturschock Schwarzafrika erspart. So geht man in Windhoek, Lüderitz oder Swakopmund auf der Peter-Müller- oder Knobloch-Straße spazieren, kauft in der Kaiser-Apotheke Klosterfrau Melissengeist, isst in der Bäckerei mit dem Reichsadler im Fachwerkgiebel eine hervorragende und unverfälschte Schwarzwälder Kirschtorte und übernachtet auf Gästefarmen mit so vertrauten Namen wie Finkenstein, Rostock oder Sachsenheim.
Tatsächlich ist die deutsche Sprache immer noch Bestandteil des namibischen Alltags. Vor allem Sie, als Deutsch sprechender Tourist, werden fast überall im Land Menschen treffen, mit denen Sie sich problemlos auf Deutsch unterhalten können. Obwohl die Kolonialherrschaft Kaiser-Deutschlands über Südwestafrika nur 31 Jahre dauerte, so hat doch keine historische Periode dieses Land so eindeutig geprägt. Dass aus der kolonialen Besetzung und dem Zuzug deutscher Pioniere, die die "herbe Krume bezwangen" und sich, wie es die Bibel lehrte, "das Land untertan machten", eine mancherorts noch immer herrschende Deutschtümelei entstand, ist die andere Seite der Geschichte.

Dieses Getue mit deutschen Traditionen, deutscher Küche, deutscher Sprache, deutschem Politikverständnis, deutscher Penibilität und treudeutschen Lebensvorstellungen war bis vor wenigen Jahren noch das Markenzeichen Namibias. Allerdings ein zweifelhaftes! Denn während deutsches Selbstverständnis sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu Weltoffenheit mit globaler Sicht entwickelte, versanken die "Deutschen Namibias", wie sie sich selbst nannten, in Lebensumständen, die allenfalls kurios gewesen wären - hätte sich daraus folgernd das Land im Südwesten Afrikas nicht zu einer Nation der Ewiggestrigen entwickelt. Ein Prädikat, das erst heute seine Gültigkeit verliert, nachdem der gesamte Süden Afrikas sich von der Apartheid abwendet und Namibia seit der Erlangung seiner Selbstständigkeit von Südafrika 1990 die Grenzen dem internationalen Handel und dem Tourismus öffnete.
Dabei soll das deutsche Erbe Namibias nicht geschmälert werden: Mit den Deutschen kam die Zivilisation, es kamen Medikamente und Autos, Elektrizität und eine moderne Verwaltung. Trotzdem brachte die deutsche Herrlichkeit nicht nur Fortschritt ins Schutzgebiet "Deutsch-Südwest", sondern auch und vor allem Krieg, Zerstörung, Unterdrückung, Rassismus und die Ausrottung eines großen Teils der einheimischen Bevölkerung. Während der Berliner Konferenz 1884 hatten die europäischen Großmächte auch den Süden Afrikas per Lineal und Bleistift auf der Landkarte in Kolonien aufgeteilt, und den Deutschen fiel neben dem heutigen Tansania, Togo und Kamerun auch der Südwesten Afrikas zu. Dieser Zuwachs großdeutschen Besitztums musste natürlich besetzt und gegen "fremde Mächte" geschützt werden. Also wurden Schutztruppen mit dem Befehl nach Südwestafrika entsandt, die Einheimischen sofort in Reservate zu verbannen und ihre Dienste zu billigen Arbeitskräften zu erpressen. Wem diese Maßnahmen nicht einleuchteten und wer sich den Okkupanten in den Weg stellte, wurde einfach niedergemetzelt.

Schon 1920 wurden die deutschen Besatzer von den Südafrikanern abgelöst. Die neuen "Beschützer" besannen sich jedoch nicht auf die angestammten Rechte der Einheimischen. Wie im eigenen Land praktizierten sie die Unmenschlichkeit der Apartheid auch in ihrem Mandatsgebiet. Sie schufen Homelands und erließen strenge Passgesetze, es gab getrennte Schulen und getrennte Wohngebiete in den Städten. Allerdings war der Graben zwischen Schwarz und Weiß nie so tief wie in Südafrika. Schon früh versagten auch weiße Namibier dem Unrechtsregime ihre Unterstützung, indem sie sich auf die Seite der Unabhängigkeitsbewegung stellten. Sam Nujoma war der Führer jener Swapo, der South West African People's Organisation, und dass "Sammy", wie er im Volk genannt wird, seit den ersten freien Wahlen 1989 Ministerpräsident Namibias ist, hat die Umsetzung des Programms für Versöhnung zwischen Unterdrückern und Unterdrückten (reconciliation) nur erleichtert. Namibia ist heute ein freies, selbstständiges und unabhängiges afrikanisches Land.
Verändert hat sich auch das Miteinander aller Namibier, wobei an die Stelle der weißen Hautfarbe heute ein anderes Kriterium für Anerkennung und Sozialprestige getreten ist: Kommerz und das Vermögen, sich modischen Trends anpassen zu können. Eine schwarze Mittelschicht entsteht, und wer dazugehört, der will es zeigen. Wer chic ist, eine Wohnung oder ein Auto besitzt und durch zeitgemäße Outfits besticht, gehört dazu, egal ob schwarz, coloured oder weiß. In Windhoek beispielsweise gehören gemischt-rassige Paare längst zum Straßenbild. Diese neue Generation spricht Englisch besser als Afrikaans oder Deutsch, und auch die Einstellung Deutschstämmiger zum Deutschtum hat sich relativiert. "Wir sind keine Deutschen", sagt Hans-Erik Staby, Windhoeker Architekt und Abgeordneter der oppositionellen Demokratischen Turnhallen-Allianz (DTA), Sammelbecken vorwiegend weißer Namibier. Sein Urgroßvater kam 1867 ins Land, die Familie lebt hier in sechster Generation. "Wir sind deutschsprachige Namibier", erklärt er.

Rund 80.000 Weiße, davon etwa ein Drittel deutscher Abstammung, leben mit knapp 1,7 Millionen Schwarzen in Namibia. Eine Studie der Vereinten Nationen besagt, dass es von allen Minderheiten im Land den Deutsch-Namibiern am besten geht. Dass dies das alleinige Verdienst harter Arbeit und kompromisslosen Einsatzes ist, davon sind die meisten überzeugt. Dass ihnen jedoch die Vermehrung ihres Reichtums nur gelingen konnte, weil bisher noch niemand beispielsweise das Ungleichgewicht der Landverteilung angetastet hat, diesen Einwand lassen die Farmer und Unternehmer in den Städten nur bedingt gelten. Denn ihre Unternehmungen, auch im Tourismus, in der Nahrungsmittel- und Großindustrie, bilden das Rückgrat der namibischen Wirtschaft, und wer sich eingesetzt hat, soll schließlich auch etwas davon haben.
Also sieht man als weißer Farmer der angekündigten Landreform zwar mit Skepsis, aber dennoch gelassen entgegen, denn die Umverteilung von 36,2 Mio. Hektar Land aus dem Besitz von 4.600 weißen Großfarmern zu den 33,5 Mio. Hektar, die 200.000 Nichtweiße bewirtschaften, rückt immer nur in den Vordergrund politischer Diskussionen, wenn Wahlen anstehen - tatsächlich hat sich noch nichts Gravierendes verändert.
Namibia könnte, auch unter wirtschaftlichen und sozialen Aspekten, ein Paradies sein, wären da nicht die Außenseiter der Gesellschaft, jene, die nicht das Glück haben, weiß zu sein oder eine adäquate Schulbildung genossen zu haben. Jene, die zu dem unübersehbaren - und wachsenden - Heer der Mittellosen gehören, zu denen, die außerhalb der ordentlichen, akkurat gefegten Städte und Orte in Slums leben. Nicht alle diese Auffangbecken menschlichen Elends sind so groß wie Katutura, wenige Kilometer nordwestlich Windhoeks, doch sind die windschiefen Hüttenansammlungen überall gleich trostlos, der Schmutz und die Apathie an all jenen Orten gleich erbarmungswürdig.

Der "Ort, an dem wir nicht leben wollen", heißt Katutura - wer hier oder in einem der anderen ehemaligen Townships leben muss, tut dies am untersten Ende der Einkommensskala. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, nur 41 Prozent der schwarzen Namibier haben einen gemeldeten Arbeitsplatz. Alkoholismus und Drogenabhängigkeit sind allgegenwärtig; Prostitution, Dealerei und Beschaffungskriminalität breiten sich aus. Die Zeiten, als die nichtweiße Bevölkerung ihr ärmliches Los ohne Widerspruch hinnahm, sind auch in Namibia vorbei, und das Gewaltpotenzial, das sich in Katutura und andernorts zusammenbraut, kann niemand mehr ignorieren.
Dabei waren die ersten Jahre der Unabhängigkeit eine Erfolgsstory: neue Schulen und Kliniken, Elektroenergie, ein digitales Telefonnetz und Trinkwasser bis in die entlegensten Winkel der Republik. Namibias Wirtschaft ist erfolgreich. Neben Uran- und Tafelsalzproduktion, Austernzucht, Guanoabbau und Textilexporten floriert der Mineralienabbau in der fünftgrößten Bergbaunation der Welt, und der Tourismus rangiert bereits auf Platz eins der Devisenskala. Das Land hängt nicht, wie die meisten afrikanischen Länder, am Tropf internationaler Nothilfe und macht nur bedingt Schlagzeilen mit ethnischen Konflikten und Flüchtlingsbewegungen, neuerdings wieder im Caprivi-Zipfel.

Der Blick auf die Statistik ist allerdings ernüchternd: 28 Prozent der Namibier leben in Städten (in Deutschland: 86 Prozent), da die Landflucht anhält, wird sich diese Zahl weiter erhöhen. Die Lebenserwartung liegt bei 58 Jahren (in Deutschland: 77 Jahre), 45 Prozent der Namibier sind noch keine 14 Jahre (in Deutschland: 16 Prozent). Nur 86.000 Namibier sind reguläre Steuerzahler, darunter einige weiße und schwarze Millionäre, während der Großteil der Bevölkerung an und unter der Armutsgrenze lebt. Und so geht - bei allem Optimismus - mittlerweile ein unübersehbarer Riss durchs Land, der eine reiche Oberschicht vom Rest der Nation trennt. Hinzu kommt die afrikanische Krankheit, die Korruption, die sich auch in Namibia breit macht.
Namibia ist widersprüchlich, ohne Frage, und dieser Charakter ist ebenso fraglos ein Teil seiner Attraktivität. Diese Widersprüchlichkeit beim ersten Besuch erfassen zu wollen, hieße die Größe und Gewaltigkeit, den rauen Charme des Landes im Südwesten Afrikas ignorieren zu müssen - darum: Entdecken Sie Namibia, im wahrsten Sinne des Wortes!

   
   

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