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Entdecken Sie New York!

Eine City, die nie schläft. Eine Stadt aus vielen Städten. Die Hauptstadt des Geldes und des Entertainment

Das Loblied auf diese Stadt hat einen einfachen Titel. Es heißt »New York, New York« und ist eine entspannte Hymne auf ein außer-gewöhnliches Lebensgefühl. Der Schlager aus dem gleichnamigen Film, gesungen von Frank Sinatra, vermittelt in wenigen Worten die Faszination: I wanna wake up in a city that doesn't sleep - ich möchte in der Stadt aufwachen, die nicht schläft. Und: If I can make it there, I'd make it anywhere - wenn ich es dort schaffe, schaffe ich es überall.
New York, das ist die Hauptstadt des amerikanischen Traums. Wer diese riesige, quirlige, nervenkitzelnde Stadt und ihren Einfluss auf den Rest der Welt begreifen will, muss selbst hinfahren und dort aufwachen - in dem ewigen Rumoren und Gehupe, Sirenengeheul und Gekreische. Das New-York-Gefühl muss man erleben. Hautnah.
Ein Gefühl, das die Stadt lange mit einem Mantel der Unerschütterlichkeit umhüllte. Bis zu dem Tag, an dem selbstmörderische Terroristen zwei Passagierflugzeuge entführten und sie in die Zwillingstürme des World Trade Center steuerten. 2749 Menschen starben am 11. September 2001 in den Trümmern. Nine/eleven sagen die Amerikaner - vier Silben, die im Englischen ein fester Begriff für Entsetzen, Trauer und Wut geworden sind. Es entstand eine ungekannte Verunsicherung in der Stadt. Und gleichzeitig eine ungeheure Stärke. Die New Yorker zeigten sich verletzlich wie vielleicht nie zuvor. Doch noch bevor die Trümmer beseitigt waren, planten sie den Aufbruch. Die gemeinsame Vision: »Die Zukunft wird nicht von Terroristen geschrieben, die gestalten wir.«
Die Widerstandskraft der Stadt ist nicht bloße Fassade. Es gibt kaum eine unsentimentalere Metropole. Dennoch verleitet sie Besucher dazu, eine sentimentale Beziehung zu ihr zu entwickeln. Einer der Gründe dafür ist, dass die Stadt an der Mündung des Hudson unbeschreiblich beeindruckt. Wer nach New York geht, entdeckt auf einmal, dass sogar Alltägliches erstaunlich sein kann.
Die Stadt ist ein Wunder an Betriebsamkeit. Die Ursache ist ein grünes Stück Papier: der Dollar. New York ist, ganz unverhohlen, die Hauptstadt des Kommerzes - hektisch, laut, herausfordernd, groß und mächtig. So mächtig, dass, wenn Wall Street niest, die Börsen in Tokio, Frankfurt und London einen Schnupfen bekommen. Die Krise und die Kriege, die 9/11 ausgelöst hat, beeinflussen die Weltwirtschaft noch immer.
Und doch ist die vibrierende Betriebsamkeit zurückgekehrt. New York ist nach wie vor die Welthauptstadt des Entertainments: Jeden Abend gibt es Filmpremieren und Musicalshows, Ballettaufführungen, Theatergalas, Opern der Extraklasse und den frischen Wind der vom Zeitgeist durchwehten Clubs. Das Publikum ist vielschichtig und bunt, begeisterungsfähig, kompetent und vor allem kritisch. Wer es hier schafft, schafft es überall.
Im Trubel der Nacht wirkt Manhattan, als sei es eine große Party. Ein Eindruck, der am Tag beginnt. In den U-Bahnen spielen Musiker, die gute Chancen haben, die Stars von morgen zu werden. Skater verwandeln Plätze in die Arena sportlicher Stunts. Stand-up Comedians können einem an jeder Straßenecke begegnen. »Das Theater findet auf den Straßen, vor den Bühnen statt, Filme laufen ohne Eintrittsgeld, es riecht nach Mensch auf Schritt und Tritt«, beschrieb der Schriftsteller Ludwig Fels seine New-York-Eindrücke.
Als Medienzentrum der USA vergrößert die Stadt alles, was sie an kulturellem Output produziert. Hier sind die wichtigsten Fernsehsender, die großen Nachrichtenmagazine und die Tageszeitung, die als beste der Welt gilt, die New York Times. Alle bedeutenden Buchverlage sind in der Stadt ansässig und operieren ebenso wie Plattenfirmen und Musikverlage mit dem Weltmarkt im Blick von hier aus. Die Stadt zieht kreative Menschen an wie keine andere. Schauspieler, Maler, Schriftsteller, Designer genauso wie Softwareentwickler. In der Silicon Alley, wie die Internetpioniere die Stadt als Parodie auf das kalifornische Hightechzentrum Silicon Valley nannten, ist es ruhig geworden. Doch kaum reden Skeptiker von Flaute, startet die Stadt längst anderswo zum Höhenflug: Der Kunstmarkt boomt und New York führt Regie. Seit Jahrhunderten bezieht die Stadt aus dem ständigen Wechsel von Boom und Pleiten einen großen Teil ihrer Energie.
Rund 8 Mio. Einwohner leben heute in der einstmals größten Stadt der Welt, die längst von Megacitys überflügelt wurde. 24 Mio. Einwohner hat die Metropolitan Area insgesamt, die die angrenzenden Gebiete wie Long Island, Westchester County, New Jersey und Connecticut einschließt. Viele arbeiten im Zentrum - in Manhattan. Dazu kommen 36 Mio. Besucher, die auf den Straßen im Sog des hohen Fußgängertempos förmlich mitgerissen werden. Die Stadt ignoriert Besucher so gut es geht. Gemütliche Flaneure sind im Raster der Straßenblöcke nicht vorgesehen. Es gibt nur wenige Ruhezonen wie den Platz inmitten des Rockefeller Centers, die Treppe der St. Patrick's Cathedral an der Fifth Avenue oder die des Metropolitan Museums.
Das Tempo ist der Grund, weshalb New York selten ein Ort geschichtsträchtiger Politik war. Vor dem 11. September 2001 fand das letzte historisch bedeutende Ereignis im April 1776 statt, als Staatsgründer George Washington im Unabhängigkeitskrieg gegen die britischen Kolonialherren sein Hauptquartier an den Hudson verlegte. New York wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum UNO-Hauptsitz. Die amerikanische Politik hatte die Stadt nach 9/11 eine Zeit lang immer im Blick, und die UN-Zentrale stand in der Debatte um den Golfkrieg im Mittelpunkt des Weltinteresses, dennoch sieht es so aus, als werde New York seine Bedeutung auch weiterhin nicht aus der Politik ziehen.
Als New York noch einen Hafen hatte, war es ein bedeutendes Industriezentrum. Heute wird weniger produziert als rastlos verwaltet und geschaltet. In der Stadt, die niemals schläft, kann man rund um die Uhr einkaufen, Kneipen besuchen, sich unterhalten lassen, von keinem Ladenschlussgesetz und Nachtarbeitsverbot reglementiert. Langeweile? Nicht hier.
New York ist mehr als jede andere amerikanische Metropole eine Fußgängerstadt. Die Straßen sind übersichtlich gerastert und nummeriert. Viele Sehenswürdigkeiten liegen nahe beieinander. Man findet sich schnell zurecht. Musste man noch vor wenigen Jahren befürchten, unvermittelt in einer düsteren Ecke zu landen, wenn man sich treiben ließ, so ist das Risiko heute nicht höher als in einer deutschen Großstadt. Aufmerksamkeit schadet dennoch nicht.
New York ist die Stadt der großen Gegensätze. Die Winter sind trocken und frostkalt, die Sommer mehr als 30 Grad heiß und sehr, sehr schwül. Das ausgedehnte Grün des Central Parks trifft auf das wuchtige, unendliche Grau von Beton. Kirchen, die anderswo alles überragen, werden hier von Wolkenkratzern förmlich umzingelt.
In diesem Milieu fächert sich zwischen klein und groß, arm und reich, alt und neu eine unglaubliche Vielfalt. Jede Rasse und jede Nation ist in New York vertreten. Viele haben ihrer Heimat aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen den Rücken gekehrt. Angetrieben von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, haben sie ein Stück Heimat mitgebracht. So leben viele Traditionen in New York weiter.
Die Mixtur der Menschen verändert sich permanent. Im 19. Jh. beeinflussten Einwanderer aus Irland, Deutschland, Österreich und Russland das englisch geprägte Bild und assimilierten sich. Anfang des 20. Jhs. kamen Italiener und Polen hinzu. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde New York rettender Hafen für verfolgte Juden aus ganz Europa. Wie in einem Schmelztiegel formte sich daraus eine vielschichtige Einheit. Die Mischung ist so speziell, dass man nirgendwo sonst in den USA Vergleichbares findet. Deshalb empfinden sich die New Yorker als etwas Besonderes, kulturell wach, wirtschaftlich auf der Höhe, neugierig, tolerant und manchmal dreist. New Yorker Arroganz wirkt oft bissig.
Genau genommen gelten diese Feststellungen vor allem für die weißen New Yorker, die diese Stadt dominieren, obwohl sie inzwischen keine 50 Prozent der Bevölkerung mehr ausmachen. Mit den Einwanderungswellen der letzten Jahrzehnte sind Millionen von Mittel- und Südamerikanern hergezogen, Hunderttausende von Chinesen, Koreanern und Vietnamesen; und viele Afroamerikaner aus den Südstaaten. Der Zuzug war so groß, dass die Stadt ihren wirkungsvollsten Mechanismus fast verloren hat: das Verschmelzen, Vermischen und Integrieren vieler Verschiedenartigkeiten. Das verändert ihren Charakter, was David Dinkins, der erste schwarze Bürgermeister New Yorks, 1989 so beschrieb: »New York ist kein Schmelztiegel mehr. Es ist ein Mosaik, in dem alle Teile gleich viel wert sind.«
Doch das Mosaik hat Risse. Manche zeigen sich bereits, wenn man die fünf Stadtteile, die boroughs, betrachtet. Alle könnten für sich genommen ganze Städte sein - wie dies bis 1898 auch der Fall war, als Greater New York durch den Zusammenschluss von Manhattan, Brooklyn, Queens, Staten Island und der Bronx entstand. Besucher spüren davon nur wenig. Denn für sie ist Manhattan - zwischen Freiheitsstatue und Harlem - das eigentliche Ziel. Hier schlägt das Herz der Metropole. Es treibt alle voran, die hier leben, und Gäste zieht es in seinen Bann.

   
   

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