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Essen und Trinken

Alle Italiener essen gern; sie lassen sich stundenlang Zeit, und wenn möglich essen sie im großen Kreis - an Sonn- und Feiertagen jedenfalls. Während der Woche hat man sich inzwischen auch hier die Essgewohnheiten der übrigen Europäer zu Eigen gemacht: Mittags treffen sich die Berufstätigen in einer der vielen Bars, die kleine Gerichte servieren, oder - wenn auch auf den Wein Wert gelegt wird - zu einem light lunch in einer enoteca.Wenn Sie in der Toskana Urlaub machen, sollten Sie sich aber von der sprichwörtlich guten Küche des Landes verwöhnen lassen. In den von uns vorgeschlagenen Trattorien und Restaurants finden Sie sie noch - und sie ist unendlich vielseitig: Jede Region hat ihre speziellen Rezepte; von Fisch bis Wild, von Pilzen bis grünem Spargel, von Artischocken bis Kastanien wird alles frisch in der traditionsgebundenen Küche verwendet.Bekannt ist die Toskana für ihr vorzügliches Olivenöl und den würzigen Schafskäse von den Weideländern im Süden. An der Küste bietet man Meeresfrüchte und Fisch an, etwa cacciucco, das berühmte Fischgericht Livornos.Die klassische Speisenfolge ist folgendermaßen: antipasto (Vorspeise - meist kalt), primo piatto (erster Gang aus Suppe, Reis- oder Nudelgericht), secondo piatto (Hauptgericht - Fleisch oder Fisch) mit contorno (Beilage), formaggio (Käse) oder/und dolce (Süßspeise), caffè und eventuell ein Digestif. Natürlich kann man die Speisenfolge auch kürzen, es ist aber in einem Restaurant kaum möglich, nur ein Nudelgericht zu bestellen; in einer Trattoria geht das schon eher. Für Schnellgerichte gibt es tavole calde (Selbstbedienungsrestaurants), Pizzerien oder Spaghetterien.Im ristorante und in der trattoria müssen meist zwischen 2 und 5 Euro pro Person für pane e coperto (Brot und Gedeck) bezahlt werden; der Preis dafür ist auf der Karte angegeben. Die Rechnung wird pro Tisch ausgestellt, wenn Sie es wünschen, teilen Sie selbst.In vielen Orten werden auch Touristenmenüs (menù turistici) angeboten; sie kosten - alles inklusive - um 15 Euro, bestehen aus zwei Gängen und sind im Allgemeinen nicht schlecht. Billiger - und oft besser - kommt man weg, wenn man sich mit einer Pizza und einem Glas Hauswein begnügt. Allerdings wird der Pizzaofen in den meisten Trattorien erst abends angeheizt.An das Frühstück der Italiener, das für unsere Begriffe gar kein richtiges ist, kann man sich ganz schnell gewöhnen. Am besten suchen Sie die nächste Bar auf und bestellen sich einen cappuccino und eine brioche (Hefehörnchen). Nur in Erste-Klasse-Hotels ist nicht vom Hotelfrühstück abzuraten.Acqua (einfaches Wasser), acqua minerale gassata (kohlensäurehaltiges Mineralwasser) oder acqua non gassata (ohne Kohlensäure) begleitet jedes Essen. Bei den Rotweinen nimmt natürlich der Chianti eine Vorrangstellung ein, besonders der Chianti Classico aus der Gegend zwischen Florenz und Siena: eine rund 800 km² große, in über 700 Weingüter aufgeteilte Hügellandschaft, die zu 45 Prozent aus Wald besteht. In dieser Region werden die Rebsorten zur Gewinnung des berühmten Chianti Classico angebaut. Bereits 1444 schlossen sich Radda, Gaiole und Castellina in der »Lega del Chianti« zusammen, die feste Regeln für die Güte des hier erzeugten Weines festlegte. 1874 setzte der Baron Bettino Ricasoli ein Mischungsverhältnis für den »Gallo Nero« fest, das beinahe unverändert noch heute gilt: Weine, die als Gütesiegel den schwarzen Hahn auf dem Etikett am Flaschenhals führen, bestehen aus 75 bis 90 Prozent Sangiovesetrauben und fünf bis 15 Prozent Canaiolo (für die typisch rubinrote Farbe) sowie bis höchstens zehn Prozent der weißen Sorten Malvasia oder Trebbiano. In den letzten Jahren regt sich bei experimentierfreudigen Winzern indes auch Widerstand gegen diese starren Vorschriften: Wer etwa einen rebsortenreinen Chianti aus 100 Prozent Sangiovesetrauben keltert, dem wird das DOC-Siegel verwehrt, und der Wein kommt als vino da tavola auf den Markt. Wundern Sie sich deshalb nicht, wenn bisweilen für einen - nur vermeintlich schlichten - »Tafelwein« erheblich mehr zu zahlen ist als für einen DOC-Chianti mit dem Hahn.Weitere gehaltvolle Rotweine sind die Chiantiweine der sienesischen und Aretiner Hügel und der Chianti Putto aus dem Sievetal sowie die Rotweine aus dem unteren Arnotal bei Carmignano und Montalbano. Zu den berühmtesten Rotweinen gehören der körperreiche und tanninbetonte Brunello di Montalcino, der nur aus Sangiovesetrauben gekeltert wird und mindestens vier Jahre in Holzfässern lagern muss, der rubinrote Vino Nobile di Montepulciano (Sangiovese und Canaiolo), der Morellino di Scansano aus der Maremma und - vor allem - Sassicaia und Ornellaia aus Bolgheri. Bekannte Weißweine sind der goldfarbene Vernaccia aus San Gimignano, der Bianco di Montecarlo und der Bianco Vergine, der »jungfräuliche« Weiße aus der Gegend um Cortona.Die Italiener trinken nur zum Essen Wein; oft wird der offene Hauswein (vino della casa oder vino aperto) dem teureren Flaschenwein vorgezogen. Bier wird auch in Italien immer beliebter, vor allem zur Pizza wird fast ausschließlich Bier, meist vom Fass (birra alla spina), getrunken.

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© Marco Polo Reiseführer

   
   

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