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Entdecken Sie Kuba!
Keine andere Insel in der Karibik hat sich so rasant zum touristischen Renner gemausert
Willkommen im Land der Lebenskünstler, im sonnigen socialismo tropical! Krise? Heute denkt bei Kuba kaum noch jemand an dieses Wort, weil der Tourismus auf der Insel eine heile Welt vorspiegelt. Praktisch aus dem Nichts wurde seit der »Spezialperiode« Anfang der 1990er-Jahre, als Kuba nach der Auflösung der UdSSR, seines wichtigsten Handelspartners, wirtschaftlich vor dem Ruin stand, ein Ferienparadies geschaffen, das 2004 erstmals mehr als zwei Millionen Urlauber aus aller Welt anlockte. Ferienresorts wurden aus dem Boden gestampft, sozialistische Erholungsheime in moderne Hotels umgewandelt, eine Infrastruktur mit Museen, Freizeitparks, Restaurants, Bars, Shoppingmeilen, Autoverleihern geschaffen, Wanderwege in Nationalparks angelegt, viele Kulturschätze vor dem Verfall gerettet und restauriert und Straßenränder mit Blumenbeeten geschmückt. Eine Leistung, die dem sozialistischen Staat kaum jemand zugetraut hätte. Kuba hat den Touristen den roten Teppich ausgerollt, um in einer kapitalistischen Welt, in der es die mächtigste Nation zum Gegner hat, überleben zu können. David im Clinch mit Goliath - die Sympathien der Welt sind längst auf der Seite des Schwächeren. Beflügelt wurde die Neugier auf Kuba auch durch Wim Wenders' Film »Buena Vista Social Club«, in dem er vier große Musiker aus dem vorrevolutionären Kuba auf die Leinwand brachte. Sein sensibles Porträt der betagten Protagonisten, ihr ungebrochener Spaß am Musizieren und schließlich ihre Musik selbst brachten eine gigantische Sympathiewelle für Kuba in Gang. Entdecken Sie Kuba! Es erwartet Sie nicht nur eine Reise auf die größte Insel der Karibik, zu weißen Stränden unter tropisch heißer Sonne, zu exotischen Nationalparks und in Städte, die noch wie auf alten Postkarten aussehen. Es erwartet Sie auch eine Reise in ein Land, in dem man seit über vierzig Jahren anders denkt. Das werden Sie vor allem spüren, wenn Sie Ihr Hotelareal verlassen, auf eigene Faust durchs Land reisen und in Privatquartieren, den so genannten casas particulares, übernachten. Sie werden in der einfachsten Hütte nicht nur auf Leute eines hohen Bildungsstands treffen, sondern auch kritische Töne hören, z. B. zur fehlenden Presse- oder Reisefreiheit, vor allem zu den Exekutionen der jugendlichen Bootsentführer im Jahr 2003. Der Schock sitzt tief: »Nicht einmal ihre Mütter durften sie vorher noch sehen«, so hört man heute noch. Dennoch landen Sie häufig vor einer Mauer der Verteidigung, sobald Sie in die gleiche Kerbe schlagen. Kubaner können auf Kritik an ihrem Land empfindlich reagieren. Die meisten identifizieren sich mit Kuba, als gehöre es ihnen. Und das tut es ja auch. Castro verteilte das Land nach der Revolution schließlich an »das Volk« und schuf eine in Lateinamerika einzigartige Solidargemeinschaft, deren Geist bis heute nachwirkt. Wer Kuba entdeckt, wird zum Grenzgänger zwischen der kubanischen und der touristischen, also der sozialistischen und der kapitalistischen Wirklichkeit im Land - ein Balanceakt für die Gastgeber wie für den Gast. Kuba unterhält »Schutzzonen« für beide Seiten: auf der einen staatliche Erholungsheime oder Hotels nur für Kubaner und auf der anderen reine Touristenzentren. Und da immer mehr Kubaner auch Devisenrestaurants und -hotels bevölkern, werden Sie auch die Grauzonen kennen lernen, in denen schon die Zukunft schlummert. Am stärksten zeichnet die sich in Havanna am Horizont ab, der »Stadt der Säulen«, wie der kubanische Schriftsteller Alejo Carpentier sie nannte. In der Zwei-Millionen-Metropole drängen sich heute Touristen aus Europa, Japan, Lateinamerika und selbst aus den USA (sie reisen z. B. über Kanada oder Mexiko ein), vor allem durch die bereits restaurierte Altstadt, die Augen auf die herausgeputzten Gebäude aus den glanzvollen Epochen Havannas gerichtet. Immer schon pompöser und weltstädtischer als alle anderen Städte der Karibik, präsentiert sich Havanna nach Jahrzehnten des Verfalls wie Phönix aus der Asche: fast schon wieder so bunt und lebendig wie zu vorrevolutionären Zeiten. Nicht weit von der Metropole entfernt erheben sich sanfte Gebirge, aus denen Quellen sprudeln, blühen Orchideen neben einem Wasserfall, führen Wanderwege durch ein Biosphärenreservat mit üppiger Flora und Fauna. Wenige Kilometer weiter genießen die Gäste der Aussichtshotels von der Terrasse den Blick ins Tal der Mogotes. Bodennebel umwabern die buckligen Kalkberge - ein Bild von mystischer Schönheit. Das Valle de Viñales gilt als eines der besten Tabakanbaugebiet der Welt. Und daran schließt sich scheinbar das Ende der Welt an: die Halbinsel Guanahacabibes mit dem Taucherziel María La Gorda. Östlich von Havanna locken die Strände der Hauptstadt, das Yumurí-Tal und Kubas berühmtester Badeort: Varadero mit seinem endlosen Strand. Im Südosten von Havanna erwartet Sie das größte Sumpfgebiet der Karibik, die Ciénaga de Zapata, ein von Kanälen, Lagunen und Flüssen durchzogener, von Krokodilen, Seekühen, Schlingpflanzen und Vögeln belebter Urwald. Das alles ist aber erst der Anfang. Nach dem »Kopf« mit Havanna und Umgebung streckt sich der kubanische Festlandskörper noch fast 1000 km weit in Richtung Haiti. Ein Urlaub reicht nicht, um alles zu entdecken, auch wenn man die größten Distanzen mit dem Flugzeug überbrückt. Ein Ziel ist sowieso nur über den Luftweg erreichbar: die Koralleninsel Cayo Largo mit ihrem Traumstrand. Wie ein Rückgrat verläuft die Autopista Central in der Mitte des langen Inselkörpers, fädelt dabei eine Provinzmetropole nach der anderen auf. Die erste in Richtung Osten ist Santa Clara, mit deren Einnahme am 1.1.1959 Che Guevara den Sieg der Revolution einläutete. Die nächste Stadt, Sancti Spíritus, ist das Tor zum Escambray-Gebirge: im Hinterland kühler Nadelwald, Stauseen, tiefe Täler, versteckte Wasserfälle und am Meer die Städte Trinidad und Cienfuegos. Vor allem über die Kopfsteinpflastergassen von Trinidad muss man einmal spaziert sein und den Blick vom Mirador des Stadtmuseums über die Dächer der nahezu unversehrt erhaltenen Kolonialstadt genossen haben. Hinter Sancti Spíritus wandelt sich Kuba zu einer endlosen Ebene von Viehweiden mit vereinzelten Königspalmen, die ein tropischer Himmel überwölbt. In lockeren Abständen liegen hier die Städte Ciego de Ávila, Camagüey, Las Tunas und Holguín, lebenslustige Provinzmetropolen, die fern von Havanna ein reges Eigenleben führen. Immer wieder laden Stichstraßen zu Abstechern an die Nordküste ein: zur neuen Touristenoase Cayo Santa María oder zur Urlaubswelt von Cayo Coco und Cayo Guillermo, zu Buchten und Stränden, Flamingolagunen und Mangrovenwäldern, zu kleinen Hafenstädten und den Ferienzentren Playa Santa Lucía und Guardalavaca. Am Ostende trumpft Kuba wieder richtig auf: mit einer weiten Flussebene und der Sierra Maestra, die zum höchsten Gipfel des Landes aufsteigt, dazu mit der ältesten Kolonialstadt Baracoa und Santiago de Cuba, der früheren Inselhauptstadt. Der Osten ist das Fundament des Landes, gewürzt mit einer kräftigen Prise afrokubanischen Temperaments.
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